Dsv-pleite in courchevel: skisport-chef schwaiger schlägt alarm – „systemfehler“ im nachwuchs
Die deutschen Abfahrer rauschten in Courchevel ins Leere, die Analysen danach sind vernichtend. Christian Schwaiger, Herren-Cheftrainer des Deutschen Skiverbandes, spricht offen von einem „Fehler im System“. Felix Neureuther ergänzt: „Wir müssen umdenken, sonst wird es nur noch peinlich.“
Technik-mangel statt siegeswillen
Was in Frankreich passierte, war kein Ausrutscher. Es war die Manifestation eines jahrelangen Versäumnisses. Schwaiger zog bei der Sportschau den Stecker: „Wir brauchen extrem lange, bis ein Athlet die Grundtechnik beherrscht. Dabei sollte sie längst sitzen.“ Die Folge: Deutsche Fahrer starten mit Handicap ins Rennen, während die Konkurrenz längst in Feinheiten schraubt.
Der 57-Jährige sieht das Problem in der frühen Förderung. Statt Talente zu selektieren und zu schärfen, werde erst einmal „von vorne aufgerollt“. Trainingsgruppen sind überdimensioniert, die individuelle Betreuung gleich null. Die Logistik dahiner erinnere eher an einen Schulskiausflug als an Spitzensport.

Neureuther packt aus: „kindergarten statt leistungszentrum“
Felix Neureuther, 13 Weltcup-Siege in Slalom und Riesenslalom, hat die nächste Generation selbst im Camp beobachtet. Sein Vergleich brennt: „Wenn du Fußballer suchst, fängst du nicht damit an, den Kids Schleife binden beizubringen.“ Doch genau das passiere im DSV. „Zuerst kommt Bambini-Programm, dann Spiele, dann irgendwann Technik. Die Rechnung geht nicht auf.“
Der Münchner fordert klare Strukturen: kleinere Gruppen, spezialisierte Trainer, mehr Schneestunden pro Athlet. „Bis dahin schauen wir weiterhin hinterher, statt mitzufahren“, prophezeit er. Die Zahlen untermauern seine Wut: In der Saison 2023/24 stand kein einziger deutscher Herrenfahrer im Weltcup-Top Ten der Abfahrt.
Investitionen? Fehlanzeige. Während die Schweizer und Österreicher Milliarden in neue Beschneiungsanlagen und Biomechanik-Labore pumpen, wartet der DSV auf Fördergelder, die seit Jahren stocken. „Wir rennen mit Holzlatschen im Startloch, während die anderen Carbon-Ski haben“, so Neureuther.

Dsv reagiert – zu spät?
Der Verband kündigte nach dem Kritikmarathon ein „Konzept 2030“ an. Mehr Trainer, längere Camps, digitale Videoanalyse. Klingt gut, kommt aber erst 2025. Schwaiger lacht auf: „Die Weltcup-Gegner arbeiten schon 2027.“
Die Athleten selbst spüren den Druck. Verteidiger Dominik Schwaiger (nicht verwandt) erklärt nach dem Rennen: „Wir wissen, dass wir Technik nacharbeiten müssen. Aber dafür braucht es Zeit, die wir im Kalender nicht haben.“ Die Saison ist kein Entwicklungsprojekt, sondern ein Kampf um jeden Punkt.
Die Lösung? Weniger Politik, mehr Pragmatismus. „Statt Kommissionen zu bilden, sollten wir einfach mal die Snowcats anwerfen und bis 22 Uhr pisten“, schlägt Neureuther vor. Ob der DSV diesen Schritt geht, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Die Uhr tickt – und mit ihr die Chancen auf WM-Medaillen 2025 in Saalbach.
