Dsv-adler verpassen podium: planica endet mit bitterer viertelstunde

Planica – Die Flugstaffel der Deutschen endet mit einem Achterbahn der Gefühle. 36 Punkte fehlten am Samstag zum Podium, 36 Punkte, die sich wie eine Ewigkeit lesen, wenn man weiß, dass Andreas Wellinger mit 230 und 226,5 Metern länger flog als jeder andere im Dress des Deutschen Skiverbandes. Österreich gewinnt knapp vor Japan, Norwegen wird Dritter – und die DSV-Adler rutschen auf Rang vier ab, zum ersten Mal seit der Saison 2007/08 ohne Team-Edelmetall im Weltcup.

Wind, wellinger und die wucht des vierten platzes

Der Aufwind in der Planica-Schanze war kein Rückenwind, er war ein Wortführer der Gewalt. Er trug die Springer zu Rekordweiten, schleuderte aber auch Domen Prevc fast in den Abgrund – 80 Meter, Abschlag, Rettung nur durch Reflex. Die deutsche Mannschaft blieb verschont, nicht aber verschont von der Konkurrenz. Karl Geiger zeigte im ersten Durchgang 238,5 Meter, eine Zahl, die man sich auf die Brust hämmern kann, doch dann folgte ein 215-Meter-Sprung, der die Lücke aufreißt. Philipp Raimund und Pius Paschke landeten konstant, aber nicht konstant genug. Wellinger schloss als Schlussmann ab – und trotzdem reicht es nur zu 1.374,7 Punkten.

Die Österreicher um Stephan Embacher, der am Vortag selbst einen Sturz nur mit Glück überstand, feiern 1.439,5 Punkte. Japan folgt mit 1.425,6, Norwegen mit 1.418,0. Die Differenz liest sich wie ein Befund: Zu weit weg, um zu jubeln, zu nah, um zu vergessen. Bundestrainer Stefan Horngacher, dessen Amtszeit nach dem morgigen Einzel-Finale endet, muss sich mit dieser Viertelstunde begnügen – einer Viertelstunde, die seine Bilanz trübt.

Ein blick zurück, ein blick nach vorn

Ein blick zurück, ein blick nach vorn

Die Saison 2025/26 war für Deutschland eine Achterbahn ohne Looping: Vierter bei der Flug-WM in Oberstdorf, kein Podium bei Olympia, kein Podium in der Team-WM, nun wieder Platz vier. Die letzte Staffel ohne Medaille datiert auf 2007/08 – drei Rennen, drei Fehlversuche. Heute sind es fünf Rennen, fünf Mal neben dem Treppchen. Die Zahreihe ist länger geworden, und mit ihr die Frage, ob der Systemwechsel unter Horngacher Nachhaltigkeit brachte oder nur einen Übergang.

Am Sonntag um 10:00 Uhr fliegen die besten 30 Springer das letzte Mal in dieser Olympia-Saison. Für Wellinger ist es die Chance, das Narrativ zu korrigieren. Für Geiger, Raimund und Paschke die Gelegenheit, die 36 Punkte zu entschärfen. Die Schanze steht, der Wind wird wieder sprechen – und diesmal darf niemand zuhören, ohne zu antworten.