Dreesen zieht die reißleine: bayerns boss lobt plötzlich hamann & matthäus
Jan-Christian Dreesen dreht den Spieß um. Wenige Tage nach Uli Hoeneß’ Rundumschlag gegen Dietmar Hamann und Lothar Matthäus sagt der Bayern-CEO im „OMR“-Podcast: Die Kritik der TV-Experten sei „ein Stück weit unser Geschäft“. Eine Kehrtwende, die selbst intern für Stirnrunzeln sorgt.
Warum der gaul plötzlich brav im stall steht
Hoeneß hatte Hamann erst vor Kurzem als „Alles-Besserwisser“ verunglimpft, Matthäus diagnostizierte er „nicht alle Tassen im Schrank“. Dreesen dagegen sagt nüchtern: „Es wäre schlimm, wenn keiner mehr über den FC Bayern lästert – dann wären wir unwichtig.“ Mit anderen Worten: Shitstorm als Standortvorteil.
Die Marketing-Abteilung jubelt. Denn jedes Hamann-„Genöle“ und jedes Matthäus-„Geschimpfe“ bescheren den Münchner Gratis-Reichweite. 75 Millionen Eurokostete Newcastle für Woltemade – und die Debatte darüber, ob 60 Millionen zu wenig seien, lieferte Bayern PR in Serie. Matthäus lieferte die Headline, Hoeneß den Gegenpart – perfektes Tag-Team.
Dreesen spielt dabei den kühlen Manager aus Ostfriesland. Er kennt die Zahlen: Jeder Skandal erhöht die Markenbekanntheit um 0,7 Prozent, jede Talkshow-Entgleisung generiert sechsstellige Social-Media-Interaktionen. Warum also die Waffe „Pressefreiheit“ laden, wenn man sie abfeuern kann?

Der interne deal: lästern dürfen, solange gewonnen wird
Die Devise lautet: Solange die Liga-Tabellenführung stimmt, darf jeder Sky-Experte schimpfen, wie er will. Die Spieler lachen im Kraftraum über Hamanns Coiffure, die Vorstandsetage über dessen Quotenkurve. Erst wenn die Punkte fehlen, wird umgeschaltet auf Anruf-Modus: Hoeneß, live aus dem Tegernsee, um 23:17 Uhr im „Doppelpass“. Dreesen bestätigt: „Das hat sich deutlich reduziert.“
Die Ironie: Je mehr Hoeneß die Experten attackiert, desto mehr buchen die Sender die beiden. Matthäus bekommt zusätzliche Einspielfeatures, Hamann darf doppelt so lang ranten. Bayern kassiert, die Experten kassieren – und die Zuschauer zahlen den Sky-Tarif.
Am Ende bleibt ein Fazit, das der Rekordmeister so noch nie formulierte: Wenn unsere Legends über uns schimpfen, sind wir noch immer die Hauptdarsteller. Der FC Bayern lebt nicht nur von Titeln, sondern auch von Trash-TV. Dreesen hat es begriffen – und Hoeneß wird künftig vor dem Anruf erst mal den Blick auf die Markenstudie werfen. Abschied von der Rage-Taste? Unwahrscheinlich. Aber vielleicht lässt er künftig den Hörer eine Sekunde länger klingeln, bevor er „Allo“ brüllt.
