Dortmund zieht vor dem saisonfinale die reißleine – und augsburg in den schatten
2:0 gegen Augsburg, Platz zwei weiter in Reichweite – doch hinter dem souveränen Heimsieg des BVB brodelt der Umbruch. Trainer Niko Kovac schickt eine Mannschaft aufs Feld, die schon bald nicht mehr zusammenstehen wird.
Ein sieg, der nicht glücklich macht
Karim Adeyemi trifft nach dreizehn Minuten, Luca Reggiani köpft nach der Pause sein erstes Bundesligator – das Stadion tobt, die Rangliste stimmt. Trotzdem hängt über dem Dortmunter Frühlingsnachmittag der Geruch von Abschied. Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan haben ihre Ausreise bereits verpackt, Nico Schlotterbeck wartet noch auf das Angebot, das ihn zu Hause behält. Die Fans feiern, während die Geschäftsführung schon die nächste Saison montiert.
Die Augsburger, seit Wochen unbeirrbar im sicheren Mittelfeld, wirken wie Gäste auf einer Party, deren Datum sie verpasst haben. Ein einziger nennenswerter Angriff – Ribeiro schiebt nach Antons Fehler neben das Tor. Sonst: laues Pfeifen im Westfalenwind. Dortmund dominiert, leistet sich aber auch Unkonzentriertheiten, die gegen andere Gegner bestraft werden. Beier und Adeyemi treffen die Latte, Dahmen lenkt einen Rückpass ans eigene Gehäuse – das 2:0 steht am Ende trotzdem auf der Anzeigetafel.

Reggianis sekunde im rampenlicht
Der 18-jährige Reggiani, erst zum zweiten Mal von Anfang an, wird nach einer Ecke per Kopf zum Matchwinner. Sein Läufer, als hätte er den Ball schon tausendmal so versenkt. Die Mitspieler umarmen ihn, die Südtribüne singt seinen Namen – ein Moment, der die Wehmut ein wenig lindert. Denn klar ist: Wer nächste Saison das schwarz-gelbe Trikot trägt, wird sich an diesen Nachmittag erinnern müssen als das Ende einer Epoche.
Kovac reagiert auf die Personalie mit Fingerspitzengefühl: früh Wechsel, um Erfahrung zu schonen, spät Wechsel, um Jugend zu würdigen. Die Bank ist längst kein Ort der Stille mehr, sondern ein Schachbrett für die Planungen nach dem 34. Spieltag. Die Meisterschaft ist entschieden, die Champions-League-Träume geplatzt, nur die Vizemeisterschaft zählt – ein Trostpreis, der in Dortmund trotzdem wie Gold wirkt.
Am Ende steht ein komfortabler Vorsprung auf die Verfolger, eine weiße Weste vor den letzten fünf Spielen und eine Erkenntnis: Selbst ein Sieg kann wehtun, wenn er die Trennung schmeckbar macht. Der BVB marschiert Richtung Königsklasse – und lässt dabei ein Stück Seele zurück.
