Pinturault wirft hin: der könig der französischen pisten gibt seine krone ab

Der Mann, der Frankreichs Skiherz jahrelang zum Rasen brachte, hat die Reißleine gezogen. Alexis Pinturault, dreimaliger Weltmeister und mit 34 Weltcupsiegen erfolgreichster Franzose der Geschichte, beendet nach dieser Saison seine Karriere – mit nur 35 Jahren. Die Verkündung fiel am Samstag in Courchevel, wo er einst als Jugendlicher die ersten Schwünge zog. „Ich möche meine Karriere beenden und mich etwas Neuem widmen“, sagte er. Kein Aufschrei, keine Träne, nur eine nüchterne Feststellung: Der Körper hat Nein gesagt.

Verletzungen raubten den biss

Zwei schwere Blessuren in den vergangenen Wintern nagten an seinem Rückgrat – und an seinem Selbstvertrauen. Im Februar schaute er zu, wie sich die Quali für die Olympischen Spiele in Norditalien ohne ihn erledigte. „Wenn man keinen Grund mehr findet weiterzumachen, ist es Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, erklärte er. Die Worte klingen wie ein Seitenhieb auf jene, die ihm einfach mehr Durchhaltevermögen zutrauen. Doch wer die letzten Rennen sah, merkte: Die Kante fehlte, das aggressive Timing, mit dem er Riesenslalom-Kombis früher zerfetzte.

Die Bilanz bleibt dennoch gigantisch. Gold 2019, Gold 2021, Gold 2023 – WM-Titel, die ihm einst im Dreierpack um den Hals baumelten. Dazu der große Kristallball 2020/21, der Gesamtweltcup, den nur drei Franzosen vor ihm holten. Doch Zahlen sagen wenig über Stimmung. In den Kabinen wurde er zuletzt leiser, schob sich nach Rennen rasch in den Wärmestander zurück. Teamkollegen berichteten von einem Pinturault, der morgens länger brauchte, bis die Gelenke Öl annahmen. Die Laune fror ein.

Courchevel fühlt den abschied schon jetzt

Courchevel fühlt den abschied schon jetzt

Im Vallée de Belleville, wo Skiunterricht oft schon mit vier beginnt, spricht man inzwischen von „nach Alex“. Die Skischulen werben mit neuen Gesichtern, doch die Plakate wirken provisorisch. Wer die Abfahrt nach Méribel nimmt, sieht noch immer ein riesiges Banner: Pintu grinst in Life-Size, Salomon-Stöcke in der Hand. Bald wird es abgenommen, die Farben schon etwas verblasst. Ein Symbol für eine Epoche, die sich im Schneegestöber langsam auflöst.

Was kommt danach? Er schweigt zu Plänen. Trainerjob, Verbandsamt, Ski-Label – alles denkbar, nichts fix. Eine letzte Tour über die legendären Streifen der Weltcup-Riesenslaloms wird es noch geben. In Kitzbühel, auf der Streif, wo er 2016 seine erste Kugel feierte, könnte er in wenigen Wochen zum Abschied fahren. Kein Show-Run, keine Abschiedsträne. Einfach ein Mann, zwei Plastikstangen, ein letztes Mal Vollgas. Dann wird die Zeitung verklappen: „Pintu out“. Und die Piste gehört wieder den Jungen, die seine Videos im Loop schauen und von 34 Siegen träumen, die sie überbieten wollen.