Dortmund zieht die notbremse – nils-ole book wird kehls blitzschneller ersatz

Nils-Ole Book räumt schon morgen sein Büro in Elversberg. Die Bilder von Sebastian Kehl, der am Sonntag noch demonstrativ mit Watzke posierte, sind noch warm – und schon steht der Nachfolger bereit. Borussia Dortmund setzt auf den Mann, der aus dem Saarland erstklassige Transferperlen zog und dabei die Zweite Liga durcheinanderwirbelte.

Warum der bvb jetzt auf einen underdog setzt

Book ist kein Strahlkörper aus der Bundesliga-Manager-Riege, er ist das Gegenteil von einem TV-Experten mit Schmusestimme. Der 40-Jährige kam 2017 als Scout zur SVE, als die noch in der Regionalliga dämmerte. Fünf Jahre später schickte er mit Woltemade, Asllani und Wanner drei Spieler in die Läden, die zusammen mehr als 15 Millionen Euro einbrachten – für einen Klub mit 5.000 Stadionplätzen ein Vermögen.

Die Dortmund-Bosse wollen genau dieses Rechenmodell: junge Spieler entdecken, sie zur Marke BVB formen, nach zwei Jahren für dreifachen Preis verkaufen. Das klappte unter Kehl nicht mehr. Die Transfers von Adeyemi, Schlotterbeck und Füllkrug kosten mehr, als sie bislang einbringen. Die Zeit der Prestige-Einkäufe ist vorbei.

Elversberg droht der super-gau

Elversberg droht der super-gau

Book hat in Elversberg nicht nur den Kader geplant, er hat die komplette sportliche DNA neu geschrieben. Trainer Horst Steffen ging im Winter, sechs Leistungsträger folgten. Dennoch steht die SVE vor dem Aufstiegsplay-off – und jetzt soll der Architekt weg. Intern heißt es, Präsident Heinz-Josef Rothenberger wolle sich nicht querstellen, „wenn ein Bundesligaclub anklopft“. Die Trennung wäre sogar noch in dieser Woche fix.

Die Saarländer haben für den Sommer bereits drei Neuzugänge unter Vertrag, alle mit Books Handschrift. Ohne ihn droht ein Transferstopp, weil keiner die internen Stufenpläne kennt. Die Angst vor dem Abrutschen ist real – und genau das nutzt Dortmund aus. Die Ablöse für Book soll im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen, für den BVB ein Schnäppchen.

Die fan-frage lautet nicht „warum“, sondern „warum so schnell“

Die fan-frage lautet nicht „warum“, sondern „warum so schnell“

Kehl galt als Identifikationsfigur, als Schmerzensgrenze zwischen Traditionsverein und Aktiengesellschaft. Book kommt ohne Bühnenerfahrung, dafür mit Excel-Tabellen und Scouting-Listen. Die Fans befürchten, dass der Klum jetzt endgültig zur Talentschmiede mutiert. Die Antwort lautet: Das war er schon lange, nur lief es schlecht. Book soll die Maschine wieder flott kriegen.

Am Donnerstag soll er in Dortmund präsentiert werden. Dann steht er vor 250 Journalisten und muss erklären, warum er den Aufstieg mit Elversberg riskiert, um in die NRW-Pressure-Cooker zu steigen. Die Antwort ist simpel: Dortmund ist die einzane Adresse, bei der ein Sportdirektor binnen zwölf Monaten vom Underdog zum europäischen Player werden kann. Book wollte immer nach oben, jetzt öffnet sich das Tor – und er tritt mit einem Satz durch, bevor es wieder zuklappt.