Dortmund zieht den pokal an – bensheim trägt das herz nach hause
Im Porsche-Museum von Stuttgart schwappte erst Gelb, dann Feuerrot. Borussia Dortmund gewann das DHB-Pokalfinale der Frauen mit 30:25 gegen die HSG Bensheim/Auerbach – doch beide Teams verließen die Arena mit dem Gefühl, etwas Riesiges erlebt zu haben.
Die niederlage, die wie ein sieg schmeckt
Als Schlusssirene ertönte, sanken die Bensheimer Mädels nicht auf die Knie. Sie klatschten sich ab, warfen sich auf die Schultern, sangen sich gegenseitig an. „Wir sind ‚on fire‘“, sagte Trainerin Ilka Fickinger mit Tränen in den Augen – und meinte nicht die brennenden Netze, sondern das Selbstvertrauen, das ihre Mannschaft nach der ersten Final-Teilnahme der Vereinsgeschichte ausstrahlt. Drei Minuten lang lag Bensheim in Front, 42 Minuten lag es zurück. Dennoch: Der Pokal war greifbar nah, weil Dortmund zitterte.
Der BVB war favorisiert, aber nicht unangefochten. Sarah Wachter hielt in den ersten zehn Minuten vier Mal, bevor ihr Name durch die Halle rollte. Danach rissen die Schwarzgelben das Zepter an sich. Alieke van Maurik eröffnete das Zentrum, Svenja Huber schob sich in die Lücken, und plötzlich lautete die Devise: 15:11 zur Pause – so weit, so erwartet.

Der moment, in dem alles wackelt
Doch Handball ist kein Ponyhof. Jule Polsz traf zweimal binnen 63 Sekunden zum 18:19, Meike Schmelzer flog Rot, und die Dortmunder Bank schluckte. „Da dachte ich: Jetzt könnte das Momentum kippen“, gab Groener zu. Seine Sieben wehrte sich mit Zahnschneiden. Van Maurik erzielte das 20:18, Wachter parierte den nächsten Siebenmeter, und plötzlich war die Luft raus aus dem Bensheimer Lauf.
Die Statistik liefert das schlicte Bild: 14 technische Fehler der HSG, nur neun beim BVB. Den Unterschied machte die Effizienz aus. Nina Engel, Top-Scorerin der „Flames“, fasste es so zusammen: „Wir haben alles gegeben, aber Dortmund war einfach konstanter.“

Was der pokal wirklich wert ist
Für Dortmund ist es der zweite Pokalsieg nach 2021, für Bensheim die Initialzündung. Groener sprach von „Stressspielen“, weil seine Mannschaft als haushoher Favorit reiste. „Wir haben gelernt, dass Favorit sein nicht reicht – du musst es jeden Tag neu ertragen.“ Die belgische Torfrau Wachter wurde zur MVP des Turniers gekürt, doch sie schob den Ruhm ab: „Ohne die Energie von der Bank hätten wir den Stecker gezogen.“
Die Saison geht weiter, der Meisterpokal winkt. Für Bensheim hingegen beginnt nach dem Feuerwerk die Bauzeit. Mit einem Budget, das locker in eine Dortmund-Kabine passt, haben sie bewiesen: Talent schlägt Geld, wenn es brennt. Und so reisen die „Flames“ nach Hause – ohne Pokal, aber mit dem Bewusstsein, dass sie künftig niemand mehr unterschätzt.
Der Handball hatte in Stuttgart zwei Gewinner. Den einen, der den Pokal stemmt. Und den anderen, der endlich weiß, dass er dazugehört.
