Dirk schlünz wechselt vom fcn zur dsm – olympische häuser werden sein neues stadion
Die Deutsche Sport Marketing (DSM) schlägt ein neues Kapitel auf. Dirk Schlünz, 54, verlässt den 1. FC Nürnberg und übernimmt im Sommer die Geschäftsführung der Vermarktungsagentur von DOSB und DBS. Ein Wechsel, der den deutschen Sport in Paris, Milano und weiteren Olympia-Hotspots spürbar verändern wird.
Claudia wagner wechselt nach 14 jahren zum adac motorsport
Am 1. April verabschiedet sich Claudia Wagner in eine neue Welt. Vierzehn Jahre lang prägte sie die Strategie der DSM, verhandelte Millionendeals für das Deutsche Haus und verwandelte Markenpartner in Olympia-Mitspieler. Nun zieht es die 47-Jährige in die Boxengasse – ein Schritt, der Branchenkenner längst spekuliert hatten. „Motorsport lebt von Geschwindigkeit und Emotion, das hat Claudia immer angezogen“, sagt ein ehemaliger Kollege. Die DSM verliert mit ihr eine Netzwerkerin, die selbst IOC-Präsidenten beim Vornamen kannte.
Dirk Schlünz kommt von der Club-Familie und bringt Proviant mit: fünf Jahre 1. FC Nürnberg, davor drei Jahre FC St. Pauli, dazwischen Stationen bei Adidas und Infront. Kein Karrierist im Anzug, sondern ein Mann, der lieber auf der Südtribüne steht als im Sky-Box. Bei der DSM wird er künftig die Kommerzialisierung des Deutschen Hauses verantworten – jenes temporäre Dorf, das während der Spiele zur zweitgrößten deutschen Botschaft der Welt wird. Sponsorengelder von 60 Millionen Euro pro Zyklus fließen durch seine Hände.

Christian ernst übernimmt interimistisch – interne machtverhältnisse verschieben sich
Bis Schlünz im Juli sein Büro in Frankfurt bezieht, lenkt Christian Ernst das Ruder. Der bisherige Prokurist und Head of Partner Management galt intern schon lange als heimlicher Kronprinz. Nun bekommt er 100 Tage, um zu beweisen, dass die DSM auch ohne externen Quereinsteiger läuft. „Er kennt jeden Vertrag, jeden Konflikt, jeden Handschlag“, heißt es aus dem Haus. Ob er sich nach der Übergabe auf eine neue Rolle einstellt oder das Feld räumt, wird die Führungsriege beschäftigen.
Die Personalrochade kommt zum perfekten Zeitpunkt. Die Verhandlungen für die Spiele 2028 in Los Angeles laufen auf Hochtouren, die IOC-TOP-Programme sollen 2027 neu ausgeschrieben werden. Wer jetzt den Ton angibt, bestimmt mit, welche Logos künftig an den Fassaden der Arenen hängen. Schlünz bringt Erfahrung aus dem Fußball mit: Er war maßgeblich daran beteiligt, dass der Club seine Trikotrechte um 35 % teurer verkaufen konnte. Ob diese Skalierung auf Olympia zieht, entscheidet sich im Sommer.
Die DSM selbst geriet zuletzt in die Kritik. Sponsoren hatten mangelnde Transparenz bei der Vergabe von Hospitality-Paketen moniert. Interne Audits ergaben, dass einige Dienstleister ohne Ausschreibung bedient wurden. Schlünz muss also nicht nur verkaufen, sondern auch aufräumen. Die Erwartungshaltung ist messbar: Der DOSB verlangt eine Umsatzsteigerung von 12 % bis 2028, der DBS pocht auf inklusive Markenpartnerschaften. Kein leichtes Terrain, selbst für einen Mann, der schon in der zweiten Liga mit Leuchtreklamen jonglierte.
Am Ende bleibt eine Frage: Schafft es Schlünz, die emotionale Lücke zu schließen, die Wagner hinterlässt? Ihre Handschrift war sichtbar: Jedes Deutsche Haus hatte ein kleines Café, in dem Athlet:innen Fans trafen – ein PR-Geniestreich, der millionenfach in sozialen Medien geteilt wurde. Schlünz muss nun beweisen, dass Kommerz und Nähe nicht im Widerspruch stehen. Die Uhr tickt. In 512 Tagen beginnt Paris 2028. Dann zählen keine Nullen auf dem Konto, sondern Bilder, die um die Welt gehen. Schlünz kennt die Druckstufen – er kommt schließlich aus einem Verein, in der schon ein Punkt Abstieg bedeutet.
