Die meisterschale kehrt heim – füchse berlin finden pokal im eigenen keller

Die Handball-Welt sprach monatelang von einem Silberbarren, zwei Festgenommenen und einem Schmelzofen. Nun steht die Meisterschale der Füchse Berlin wieder im Büro – und niemand weiß, ob die Diebe sie zurückbrachten oder nie fortbrachten.

Die Entdeckung war rein zufällig. Ein Mitarbeiter räumte im Keller der Geschäftsstelle am Gendarmenmarkt Kartons um, stolperte über ein Paket – und hielt plötzlich 3,5 Kilo versilbertes Metall in den Händen. „Wir haben erst gedacht, das sei ein schlechter Scherz“, sagt Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse. Die Polizei bestätigt: Es handelt sich um das Original. Die Gravuren, die Seriennummer, kleine Kratzer vom jubelnden Teamfoto nach dem Finale – alles da.

Der silberbarren war nur ein blindes schaufenster

Der silberbarren war nur ein blindes schaufenster

Was bleibt, ist ein Rätsel. Bei der Festnahme im Januar fanden die Ermittler einen Schmelzofen und einen Barren, der 1.200 Gramm wog – etwa ein Drittel der Pokalmasse. Die Logik schien lückenlos: Beute eingeschmolzen, Wert versilgert, Beweise vernichtet. Doch nun steht der Pokal kerzengerade im Regal und der Barren wird zur Nebenrolle. „Wir prüfen, ob der Barren überhaupt aus demselben Metall besteht“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die beiden Beschuldigten schweigen weiter.

Für die Liga ist die Rückkehr ein Glückstreffer. HBL-Chef Frank Bohmann hatte bereits eine neue Schale in Auftrag gegeben, 25.000 Euro Budget, sechswöchige Lieferzeit. „Der Silberschmied durfte gerade mit dem Gusspunkt beginnen, als wir stornierten“, sagt Bohmann. „Seit dem Anruf grinst mein Kontroller wie ein Honigkuchenpferd.“ Die alte Trophäe bleibt also die echte – und die Füchse sparen Steuergeld.

Mathias Gidsel, Weltspieler des Jahres, hat die Schale schon wieder in der Hand gedreht. „Sie fühlt sich leichter an, als ich sie in Erinnerung hatte“, sagt der Däne. „Vielleicht, weil wir sie für tot hielten.“ Die Mannschaft will sie am Sonntag vor dem Heimspiel gegen Magdeburg in der Arena präsentieren – dann endlich wieder mit Fotos, statt mit schwarzem Balken über der Leere.

Die Berliner Polizei hat die Ermittlungen wieder aufgenommen. Neue Fragen: Wann genau landete der Pokal im Keller? War er nie verschmolzen, sondern nur versteckt? Oder gab es zwei Gruppen – eine, die stahl, und eine, die zurückbrachte, als die Hitze zu groß wurde? Die Antworten liegen zwischen den Kartons, die niemand umsonst verschob.

Fakt ist: Die Schale steht wieder da, wo sie hingehört. Und die Füchse Berlin feiern nicht nur einen Punktgewinn im Titelrennen, sondern auch einen Sieg über die eigene Paranoia. Wer einmal glaubte, sein Silber wäre für immer verloren, weiß nun: Manchmal kommt die Trophäe einfach per Kelleraufstieg zurück.