Gattuso zittert vor nordirland: chiesa fällt aus, cambiaghi rast nach bergamo
Donnerstag, 20.45 Uhr, Gewiss-Stadion: Die Squadra Azzurra steht auf dem Abgrund. Gegen Nordirland droht das zweite WM-Debakel in Folge – und schon jetzt schlägt Gattuso zurück.

Chiesa raus, cambiaghi rein: die bombe fällt kurz vor schluss
Federico Chiesa, Juves Flügelrakete und emotionaler Leitwolf, wurde gestern Abend aus dem Quartier in Coverciano verwiesen. Knöchel verdickt, Sprint-Wert um 14 Prozent unter Soll – die Mediziner stempelten ihn nach dem finalen Check ab. Für Nicolò Cambiaghi, 22, Atalanta-Leihgabe und Serie-B-Torschützenkönig von 2023, heißt es: Koffer packen, nach Bergamo fahren, Traum wahrmachen. „Er kann zwischen den Linien Gas geben und trifft auch mit dem zweiten Kontakt“, sagte Gattuso in der Pressekonferenz, „genau das brauchen wir gegen einen Fünfer-Block.“
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit 15 Pflichtspielen hat Italien nicht mehr über 90 Minuten gewonnen. Die letzte Niederlage gegen Nordirland datiert aus dem November 1957 – doch Statistik zählt nur, wenn der Kopf klar ist. Und der ist es nicht. Drei Tage nach dem 0:1 in Belfast schwirrt noch der Satz von Manager O’Neill durch den Katakomben-Gang: „Wir wissen, wie man Italiener ärgert.“
Gattuso kontert mit Zahlen, die keiner erwartet hatte. „Wir laufen 11,8 km mehr als im letzten November, aber nur 42 Prozent der Sprints enden vor dem Strafraum.“ Die Lösung: sofortiger Positionswechsel auf 3-4-2-1, Barella rutscht ins Zentrum, Pellegrini wird linksaußen zur zweiten Spitze. „Wir spielen nicht gegen Nordirland, wir spielen gegen die Uhr“, sagt der Coach und schlägt mit der flachen Hand auf das Pult.
Draußen vor der Arena hämmern schon die ersten Fans Sambarythmen auf Trommeln, doch innen herrscht Schweigen. Weil klar ist: Wer am Donnerstag scheitert, darf im März 2026 wieder von vorne beginnen – und vielleicht nie mehr die Musik der WM hören.
Die Gewiss-Böden sind frisch umgepflügt, der Regen soll bis Abend durchziehen. Perfekte Bedingungen für einen Kampf, der sich nicht mehr versteckt. 90 Minuten trennen Italien von der Final-Partie gegen Wales oder Bosnien. 90 Minuten trennen Gattuso vom ersten großen Feuer, seit er das Amt übernahm. Rom ruft. Die Kurve wird laut sein. Und wenn der Schiri pfeift, zählt nur noch, wer bereit ist, in den Schlamm zu springen.
