Die curling-dynastie kapp: dritter anlauf für olympia-gold
- Die curling-dynastie kapp: dritter anlauf für olympia-gold
- Curling in der familie – eine tradition
- Der nachwuchs – curling als familiensache
- Benny kapp – der späte einstieg
- Die entwicklung eines talents
- Was macht ein gutes curling-talent aus?
- Turniere, reisen und familien-gespräche
- Die rolle des vaters – vom coach zum fan
- Die finanzielle seite des curling
- Olympia-hoffnungen und die zukunft
Die curling-dynastie kapp: dritter anlauf für olympia-gold
Die Familie Kapp schreibt Curling-Geschichte! Bereits in der dritten Generation steht die Familie auf dem Eis. Bei den Winterspielen in Cortina d’Ampezzo beginnt Benny Kapp (23) im Team von Skip Marc Muskatewitz (30) sein Olympia-Abenteuer. Im Gespräch mit Sport BILD sprechen er und sein Vater, der Europameister Andy Kapp (58), über Curling als Familienerbe.
Curling in der familie – eine tradition
Andy Kapp: „Alles begann mit meinem Vater, Charlie Kapp. Er gründete die Curling-Tradition und wurde 1991 Europameister, mit meinem Bruder Uli als Ersatzmann. Ich selbst stieg mit elf oder zwölf Jahren ein, die Trainingszeiten waren immer sonntags vormittags und mittwochs abends. Uli ist dreieinhalb Jahre jünger und kam dann auch dazu. 1992 und 1997 wurden wir zusammen Europameister, und holten zweimal WM-Silber.“

Der nachwuchs – curling als familiensache
Andy Kapp: „Von meinen Kindern spielen alle drei – Lena, Benny und Anne – Curling. Lena war bereits bei Junioren-Weltmeisterschaften und Weltmeisterschaften aktiv und hat ihren Master in Psychologie gemacht, engagiert sich aber weiterhin im Curling. Anne spielte 2023 bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Füssen und befindet sich in der Ausbildung. Auch die Kinder von Uli spielen, jedoch nicht auf professionellem Niveau. Charlie ist mit 81 Jahren immer noch aktiv! Am Neujahrstag spielen wir traditionell alle zusammen auf einem zugefrorenen See, ganz wie die alten Schotten.“

Benny kapp – der späte einstieg
Andy Kapp: „Ich nahm Benny 2011 mit, als er neun Jahre alt war. Damals beendete ich meine aktive Karriere und wurde Jugendtrainer. Ich bot den Kindern nach der Arbeit an: ‚16 Uhr geht’s zum Training, wer mitkommt, steigt ins Auto!‘ Benny wollte anfangs lieber Fußball spielen. Aber als seine Schwester Lena mitmachte, war er nach drei Wochen überzeugt.“
Benny Kapp: „Ich wurde neugierig und merkte schnell, dass mir das Schubsen der Steine Spaß macht.“

Die entwicklung eines talents
Andy Kapp: „Ich wollte eigentlich entspanntere Sonntage nach meiner Karriere haben. Aber dann kam Benny und sagte: ‚Lass uns ins Eisstadion fahren!‘ Dort spielten wir ein, zwei Stunden eins gegen eins. Mit zehn Jahren sagte er: ‚Papa, ich bin mehr Curler als Fußballer!‘ Da klickte es, und er wurde richtig gut.“
Was macht ein gutes curling-talent aus?
Andy Kapp: „Der Bewegungsablauf muss stimmen. Wer gut Ski fahren kann, hat meistens auch Talent für Curling. Man muss sich auf rutschigem Untergrund gut bewegen können. Das Gefühl für die Länge ist natürlich wichtig, und das hat Benny brutal schnell hinbekommen. Außerdem muss man lernen, wo man den Stein hinspielt. Auch das lernte er durch viel Beschäftigung mit dem Sport. In der Jugend nutzten wir die ‚Cherry Rockers‘ – halbe Steine aus Plastik, die die Hälfte der 20 Kilo wiegen. Das ist ein genialer Sport für Kinder.“
Turniere, reisen und familien-gespräche
Benny Kapp: „Neben dem Spiel fand ich es toll, dass wir durch die Turniere an so viele Orte kamen: Prag, Kitzbühel, Oslo. Im Fußball fährt man meistens nur in andere Dörfer.“
Andy Kapp: „Es ist selten, dass eine Stunde vergeht, in der nicht über Curling gesprochen wird.“
Benny Kapp: „Wir reden extrem viel darüber. Oft geht es um die Taktik, wo Papa noch den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag hat. Er hat so viel Erfahrung, und ich bin dankbar für sein Feedback. Die Taktik hat sich durch neue Regeln allerdings etwas verändert, die Spielweise ist anders.“
Die rolle des vaters – vom coach zum fan
Andy Kapp: „Ich war Bennys Trainer, von neun bis 21 Jahren. Jetzt bin ich froh, hauptsächlich Zuschauer und Tippgeber zu sein. Benny ist mit seinem Team viel in Kanada unterwegs, wohin ich Gott sei Dank nicht mehr mitfahren muss. Ich schaue mir aber oft die Live-Streams seiner Spiele nachts an. Dann müssen die Jungs in unserem WhatsApp-Chat meine geistreichen Ergüsse ertragen.“
Die finanzielle seite des curling
Benny Kapp: „Es geht nur mithilfe der Bundeswehr. Nur so kann man es professionell betreiben. Bis auf Marc sind wir alle im Team Sportsoldaten. Die Turniere in Kanada verursachen hohe Kosten. Wir versuchen, durch Sponsoren und Preisgelder die Kosten zu decken. Pro Saison fallen Kosten in einem mittleren fünfstelligen Bereich an. Wir sind relativ sparsam, suchen Airbnbs statt teurer Hotels und kochen selbst.“
Olympia-hoffnungen und die zukunft
Andy Kapp: „Man muss hoffen, dass man gut genug spielt, um die Kosten durch Preisgelder zu decken. 15.000 Euro Reisekosten pro Trip sind schnell erreicht. Es ist eine gute Saison, wenn man mit der schwarzen Null rauskommt. Der Verband zahlt zumindest Trainingslager, Welt- und Europameisterschaften. Aber wir sind der kleinste olympische Sportverband, die Förderung orientiert sich am Erfolg.“
Benny Kapp: „Es wird sehr spannend in Cortina. Das Feld war noch nie so gut und dicht. Tschechien und China haben extrem aufgeholt. Wir gehen es entspannt an, da wir ein junges Team sind. Aber wir wissen, dass wir jeden schlagen können, wenn wir eine gute Woche haben.“
