Dhb-pokal der frauen: wer sticht in stuttgart aus dem offenen kartenblatt?

Keine SG BBM Bietigheim, keine unangefochtene Favoritin – der DHB-Pokal der Frauen wirft vor dem Final Four in Stuttgart die Riege der Großen aus dem Takt. Thüringer HC, Borussia Dortmund, HSG Bensheim/Auerbach und HSG Blomberg-Lippe reisen mit je einem Bein im Traum und dem anderen in der Historie. Der THC will seine makellose Final-Bilanz (3×0 Niederlagen) ausbauen, BVB & Co. endlich den ersten Triumph. Leverkusens neun Titel bleiben unantastbar, aber die neue Generation spielt verrückt.

Die titellose wollen endigungswürdig werden

Herbert Müller spricht es offen aus: „Es ist ein offenes Rennen, alle haben dieselbe Chance.“ Der THC-Coach hat recht – seine Mannschaft ist zwar dreimal gepokalt, doch die SG BBM fehlt. Ohne die Schwaben fehlt das Maß aller Dinge. Das Feld wirkt verunsichert, fast erleichtert. Bensheim/Auerbach und Blomberg-Lippe kennen das Finale, kennen aber auch den bitteren Nachgeschmack. Dreimal Endspiel, dreimal leer ausgegangen – das nagt. Blomberg-Lippe verlor 2025 erst kürzlich mit 21:31 gegen Ludwigsburg, ein Déjà-vu, das wehtut.

Die Zahlen sind hart: THC 3 Titel in 3 Finals, BVB 1 Titel in 4 Finals, Bensheim 0 aus 3, Blomberg 0 aus 3. Leverkusen lacht in den Kartonkarten der Geschichte, doch die Gegenwart gehört denen, die endlich den Sprung wagen wollen. Leipzig holte sieben Mal den Pokal, doch dieses Jahr fehlt der HC ganz – ein Machtvakuum, das jemand füllen muss.

Stuttgart wird zur schicksalsarena

Stuttgart wird zur schicksalsarena

Seit 2021 entscheidet Stuttgart über Krone und Kummer. Die Arena am Cannstatter Wasen wurde zum Schauplatz der neuen Ligaordnung – kein Hin- und Rückspiel mehr, sondern ein Wochenende, ein Spiel, eine Träne. Die Bilanz seit Umstellung: Bietigheim 3 Siege, Metzingen 1. Ohne die Seriensiegerin wirkt das Tableau wildverkauft. Die Quote für ein erstmaliges Endspiel-Duo steigt – Buchmacher sehen THC und BVB vorn, doch das Herz der Fans schlägt für die ewigen Zweiten.

Der THC reist mit der besten Quote: Nie Final-Verlust, dazu ein Kader, der international geprüft ist. Doch genau das kann lasten. „Bewahr uns vor der Favoritenrolle“, flüstert ein Betreuer beim Training. Bensheim dagegen spielt frei auf – das 25:39 letztes Jahr gegen Bietigheim brennt noch, doch Schmerz macht erfinderisch. Blomberg setzt auf Jugend und Tempo, Dortmund auf die Erfahrung von 1997, dem einzigen Triumph, der längst vergilbt wirkt.

Die Uhr tickt. Am Samstag stehen die Halbfinals, am Sonntag das Finale. 60 Minuten trennen die Spielerinnen vom Narrativ, das ihre Karriere auf einen Schlag umschreibt. Wer gewinnt, trägt sich in die Liste oben ein – zwischen Leverkusen, Leipzig, Lützellinden. Wer verliert, bleibt in der Rubrik „immerhin dabei“. Der Pokal ist aus Holz, aber er wiegt Tonnen. In Stuttgart wird nicht nur gespielt – es wird Geschichte neu geschrieben, ohne Sicherheitsnetz.