Dfb-richtlinien: stadionverbote jetzt zentral – kaiserslautern kritisiert!
Ein Hickhack um Stadionverbote, Proteste von Fans, Drohungen des Innenministers – und nun die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Die neuen Richtlinien sind beschlossen. Doch die Freude ist nicht überall, besonders in Kaiserslautern gibt es massive Bedenken.
Zentrale stelle soll für einheitlichkeit sorgen
Nach zähen Verhandlungen hat das Präsidium des DFB am Sonntag die neuen Regeln verabschiedet. Kernstück der Neuerung ist die Einrichtung einer zentralen Aufsichts- und Überprüfungsstelle Stadionverbote (ZAÜS) beim DFB. Ziel ist es, bundesweit einheitliche Standards für Stadionverbote, mindestens bis zur Regionalliga, zu gewährleisten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete die Überarbeitung als „ausgewogenen und tragfähigen Rahmen“.
Die Zuständigkeit für die Vergabe von Stadionverboten soll vorerst weiterhin bei den Klubs vor Ort liegen. Die ZAÜS soll aber bei begründeten Anfragen eingreifen können. Vier stimmberechtigte Mitglieder, darunter zwei mit Befähigung zum Richteramt, bilden das Gremium. Fanprojekte, Polizeivertreter und Sicherheitsbeauftragte sollen beratend hinzugezogen werden. Es bleibt abzuwarten, ob dies die gewünschte Transparenz und Gerechtigkeit bringt.

Kaiserslautern schlägt alarm
Die Entscheidung stößt in Kaiserslautern auf wenig Gegenliebe. Der 1. FC Kaiserslautern kritisiert, dass die neue Stelle zu stark in die Entscheidungsfreiheit der Klubs eingreifen könnte. Ein Knackpunkt ist die verschärfte Formulierung: Wo früher von einer „Soll“-Pflicht zur Verhängung eines Stadionverbots bei Verdacht auf eine Straftat die Rede war, heißt es nun „Muss“. „Damit liegt die Befürchtung nahe, dass künftig auch in begründeten Einzelfällen keine Nichtaussprache eines Stadionverbots mehr möglich sein wird“, so der FCK in einer Stellungnahme.
Die Klubs befürchten, dass die ZAÜS lokale Entscheidungen überstimmen und so die Berücksichtigung spezifischer Umstände verhindert. Ein ausgesetztes Stadionverbot, das oft präventiv wirkt, soll künftig schwerer auszusetzen sein. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Fans, die sich für eine differenziertere Betrachtung einsetzen.

Politik und polizei übten druck aus
Der DFB geriet in den letzten Monaten unter zunehmenden Druck von Seiten der Politik und der Polizei. Innenminister Herbert Reul und Armin Schuster hatten bei einem Sicherheitsgipfel deutlich gemacht, dass einige Klubs zu zögerlich bei der Verhängung von Stadionverboten seien. Die Androhung, Klubs für die Kosten von Polizeieinsätzen zur Rechenschaft zu ziehen, ließ den DFB nicht unberührt. Die Zahl der Stadionverbote ist in den letzten Jahren tendenziell gesunken, was zu Kritik vonseiten der Sicherheitsbehörden geführt hatte.
Die neuen Richtlinien sind ein Kompromiss zwischen den Forderungen nach mehr Sicherheit und dem Wunsch nach fairer Behandlung der Fans. Ob sie tatsächlich das erreichen, was sie versprechen, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die ZAÜS ihre Arbeit verrichtet und ob die Kritik aus Kaiserslautern an Gewicht gewinnt. Die Debatte um Sicherheit im Fußball ist noch lange nicht abgeschlossen.
Die Sportschau berichtet ausführlich.
