Tore, block, pokal: mt melsungen wirft kiel aus der champions-league-zug und krönt sich

Im Alsterdorfer Sporthalle schrie Mandic, Simic weinte und die 5.700 melsunger Fans verloren vorzeitig die Stimme. 15 Sekunden vor Ultimo krachte der Ball zum 24:23 ins Netz, der THW Kiel stand wie angewurzelt – und die MT Melsungen hatte ihre Geschichte neu geschrieben. Der erste Europapokal-Titel nach 55 Jahren Klubexistenz ist kein Traum mehr, sondern ein Fakt.

Die sekunde, die alles änderte

Es war dieselbe Spielsituation, die David Mandic im Training hundertmal durchgespielt hat: 6:0-Deckung, Ballverlust Kiel, Konter links. Diesmal ließ sich der Rückraum-Allrounder nicht die Butter vom Brot nehmen und zog aus acht Metern flach ab. Torwart Niklas Landin fuhr noch mit den Fingerspitzen nach – vergeblich. Der Winkel war giftig, der Schlägergeruch von Sieg lag plötzlich in der Luft.

Was folgte, war keine Jubelorgie, sondern pure Erleichterung. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze sank auf die Knie, Keeper Nebojsa Simic prallte mit seinem dritten Ballkontakt in Folge an die Latte und hielt anschließend den Kopf in den Händen: 15 Paraden, 45 % Fangquote, dazu ein Siebenmeter-Gehaltenes – Zahlen, die einen Härtetest zur Heldenreise machen.

Der krimi in phasen

Der krimi in phasen

Die erste Halbzeit war ein Hin und Her der Emotionen. Kein Team konnte sich absetzen, beide Abwehrreihen arbeiteten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Erst Mandics Buzzer-Beater aus dem Halbfeld gab dem Spiel eine Richtung: 13:12 für Melsungen, die sich bislang nur zweimal in Führung gesehen hatten.

Nach dem Seitenwechsel zogen die Nordhessen auf 21:19 davon, doch Kiel schaltete einen Gang höher. Niclas Ekberg verwandelte zwei Strafwürfe hintereinander, Sander Hansen traf aus dem Rückraum – 22:22. Als wenig später Domagoj Duvnjak zum 23:23 ausglich, schien die Partie auf der Kippe zu stehen.

Aber die MT Melsungen ließ sich nicht mehr zurückholen. Die letzte Minute war ein Abnutzungskampf, in dem Kiel die Lösung nicht mehr fand. Hinze setzte auf die 5-1-Variante mit Simic als Freiläufer, Kiel irrte sich beim Aufbauspiel – und Mandic nutzte den Konter zum 24:23.

Der pokal, der die liga verändert

Der pokal, der die liga verändert

Mit dem Sieg schiebt sich die MT Melsungen endgültig in die europäische Spitze. Die 50.000 Euro Prämie sind ein schöner Bonus, doch der wahre Gewinn ist die Champions-League-Teilnahme 2026/27. „Wir haben bewiesen, dass wir mit den Großen mithalten können“, sagte Kapitän Michael Allendorf mit zittriger Stimme. „Das ist nur der Anfang.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 7 Siege in Folge im Europacup, +12 Torverhältnis im Final Four und eine Heimbilanz von 11:1 in dieser Saison. Die MT Melsungen hat nicht nur einen Titel gewonnen – sie hat eine neue Ära eingeläutet.

Flensburg holt sich den trostpreis

Flensburg holt sich den trostpreis

Am Samstag hatte die MT im Halbfinale Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt mit 37:30 aus dem Turnier geworfen. Die SG selbst sicherte sich am Sonntag mit einem 32:30 gegen Montpellier den dritten Platz – ein Erfolg, der angesichts des verpassten Finales nur halbherzig gefeiert wurde.

Für Melsungen jedoch steht fest: Die Nacht wird lang, der Pokal bleibt. Und nächste Saison geht es in der Königsklasse weiter. Dann wird der Europapokal nur noch ein schönes Erinnerungsstück sein.