Wm-traum curacaos: euphorie trotz erster dämpfe
Ein karibischer Fußballtraum wird wahr: Curacao steht erstmals bei einer Weltmeisterschaft am Start. Doch der Weg nach Deutschland ist holprig, und die Vorbereitung wirft lange Schatten. Kann die „Blaue Welle“ gegen den WM-Favoriten bestehen?
Die insel bebt – und der bus kommt spät
Die Ankunft des curacaoischen Nationalteams in Noordwijk war ein Fest für die Fans. Autogrammstunden, Selfies und der allgegenwärtige Klang von „Wa Mama“, der Hymne der Mannschaft, sorgten für karibische Stimmung an der Nordsee. Doch hinter der ausgelassenen Freude verbirgt sich eine angespannte Vorbereitung. Die Qualifikation für die WM war ein Kraftakt, und die jüngsten Testspiele gegen China und Australien haben gezeigt, dass noch Luft nach oben ist.

Ein trainerwechsel und eine tochter im fokus
Die turbulente Zeit um den Trainerposten sorgte für Unruhe im Team. Zunächst trat Fred Rutten zurück, wenig später zog sich auch Dick Advocaat aus privaten Gründen zurück – seine Tochter war schwer erkrankt. Sein Comeback als Chefcoach war ein Glücksfall für Curacao, wie Stürmer Tahith Chong betont: „Ohne ihn hätten wir es nicht geschafft.“ Die Rückkehr des erfahrenen Niederländers hat der Mannschaft neuen Auftrieb gegeben. Advocaat, der mit 78 Jahren den ältesten WM-Trainer aller Zeiten ablösen wird, schiebt die Lobeshymnen ab: „Alter ist nur eine Zahl.“

Europäisch ausgebildet, karibischer herzschlag
Die meisten Spieler von Curacao sind in den Niederlanden geboren und aufgewachsen. Das verleiht dem Team einen europäischen Spielstil, geprägt von Technik und taktischer Disziplin. Kapitän Leandro Bacuna erklärt: „Wir spielen ähnlich wie die Niederländer, viele unserer Spieler haben dort ihre Ausbildung genossen.“ Trotzdem schlägt das karibische Herz stark – die Leidenschaft und der Kampfgeist sind unverkennbar.

Realistische erwartungen und ein ehrgeiziger co-trainer
Die Mannschaft ist sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst. Der geschätzte Wert des Kaders liegt bei unter 30 Millionen Euro – ein Klassenunterschied zum deutschen Nationalteam. „Auf dem Papier werden wir verlieren“, sagt Bacuna ehrlich. Aber: „Wir werden kämpfen bis zum Schluss, genau wie die Deutschen.“ Co-Trainer Dean Gorré, Vater des Linksaußen Kenji Gorré, schlägt augenzwinkernd vor: „Lasst uns das erste Spiel gewinnen, dann könnt ihr die WM haben.“
Das Testspiel gegen Schottland am vergangenen Samstag verdeutlichte die Herausforderungen. Trotz eines frühen Führungstreffers durch Chong setzte sich Schottland mit 4:1 durch. Die Grenzen zeigen sich, aber der Glaube an die eigene Stärke bleibt ungebrochen. Curacao reist nicht nur als Außenseiter, sondern als Botschafter einer kleinen Insel mit großen Träumen.
