Deutschland von den usa zerlegt: 0:13 in mailand - paralympics-traum schon geplatzt

Schon nach 58 Sekunden war der Traum wieder geplatzt. Declan Farmer nagelte das 1:0 für die USA, und mit jedem weiteren Treffer wurde klar: Für Deutschlands Para-Eishockey-Comeback nach 20 Jahren bleibt nur die Rolle des Statisten.

Farmer lässt deutsche abwehr alt aussehen

Der 28-jährige Tampa-Angreifer schraubte seinen Torreigen auf fünf Treffer, bevor die Anzeige 13:0 anzeigte. Die deutschen Sleds wirkten wie in Zeitlupe, während die US-Boys in Wellen aufkreuzten. 13 Tore, 42 Schüsse, 86 Prozent Ballbesitz – die Zahlen sind so klar wie die Klasse.

Es ist kein Zufall. Die amerikanischen Profis absolvieren zwei Ice Times täglich, finanziert von College-Stipendien und NHL-Förderern. Die deutschen Amateure quälen sich nach Feierabend über die Eisdecke. Bundestrainer Peter Willmann spricht von „einer Lektion auf höchstem Niveau“, doch das klingt nach Beschwichtigung. Es ist eine Demütigung.

Amateur-struktur stößt an ihre grenzen

Amateur-struktur stößt an ihre grenzen

Seit 2006 hat der DOSB kein Vollzeit-Stipendium für Sled-Fahrer ausgeschrieben. Die Konsequenz: kein einziges Powerplay-Tor, kein Sieg, 0:25 Tore nach zwei Spielen. Während China mit Militärsportclubs und die USA mit College-Ligen arbeiten, stehen die DFB-Stützpunkte still. Die einzige „Halle“ in Wattenscheid teilen sich Rollstuhlbasketball und Sledge – mit Trainingszeiten um 22 Uhr.

Die Folge: Deutschland spielt jetzt „nur“ noch um Platz fünf. Gegen Gastgeber Italien droht das nächste Debakel. Die Squadra Azzurra gewann ihr Auftaktspiel 4:2 gegen Norwegen und hat mit Sandro Kalegaris einen Ex-NHL-Keeper im Tor. Für Willmann bleibt bloß die Flucht nach vorne: „Wir müssen jetzt Punkte mitnehmen, sonst stehen wir mit leeren Händen da.“

Die deutschen Fans spenden dennoch Standing Ovations. Sie feiern jeden Schlittschwung, jeden Check, jeden gehaltenen Schuss. Sie wissen: Für diese Athleten ist jede Sekunde auf dem Eis ein privater Triumph. Aber sportlich wird der Ruf nach Strukturreformen lauter. Sonst bleibt Deutschland auf der Paralympics ein Dauergast in der Trostrunde – und das 0:13 ein warnendes Vorschaubild für Tokio 2030.