Russia erbeutet gold im super-g – forster scheitert, rothfuss weint
Die Paralympics in Cortina liefern den dritten Tag in Folge Eismaschine statt Heimsieg. Anna-Lena Forster fliegt raus, Andrea Rothfuss verpasst das Podest um 3,35 Sekunden – und Russland darf sich endlich wieder an die Spitze stellen, obwohl niemand das wollte.
Gold mit beigeschmack: worontschichina rast durch die kontroverse
Warwara Worontschichina spült mit einem perfekten Lauf nicht nur Schnee, sondern auch jede Menge Empörung ins Ziel. Ihre 1:23,17 Minuten bedeuten den ersten Triumph unter russischer Flagge seit Sotschi 2014 – und sie wissen genau, dass sie damit die Debatte um die Rückkehr russischer Athleten neu entzündet. Die Französin Aurélie Richard wird Zweite, Schwedens scheinbar unangreifbare Serieheldin Ebba Arsjö muss sich mit Bronze begnügen. Anna-Maria Rieder aus Murnau landet abgeschlagen auf Platz elf. Für Deutschland bleibt nur das Fazit: Keine Medaille, viel Frust.

Rothfuss‘ tränen sind bitterer als jeder wind
Andrea Rothfuss kennt Cortina besser als ihre Heimat Mitteltal. Sechste Spiele, sechste Wunde. „Sportlich war Warwara einfach die Beste“, sagt sie mit zitternder Stimme, „aber das Resultat schmeckt nach nichts.“ Ihre eigenen 3,35 Sekunden Rückstand fühlen sich an wie drei Jahre. Dabei hatte sie sich nach Kreuz- und Knie-OPs gerade wieder auf die Beine gekämpft. Ihre Tränen im Interview sind echter als jedes Podest.

Forsters sprung ins leere
Anna-Lena Forster flog gestern noch auf goldenen Wolken, heute in einen Schneetunnel. Ein zu großer Sprung im obersten Super-G-Drittel zerfrisst ihre Linie, das Tor rückt außer Reichweite. „Keine Trainingsläufe, keine zweite Chance“, sagt sie und klingt, als hätte jemand den Stecker ihrer Monoski-Seele gezogen. Die Abfahrts-Goldkarte ist verspielt, der Super-G-Traum begraben.

Deutsche sledge-hockey-cracks erleben debakel nummer zwei
Während sich die Alpin-Truppe die Haare rauft, erntet das Nationalteam im Eisstadion von Mailand die nächste Klatsche. 0:13 gegen die USA, 0:12 gegen China – die Tore fallen so regelmäßig, dass man die Uhr danach stellen könnte. Gegen Italien am Dienstag geht es nur noch um Ehre, das Halbfinale ist mathematisch Geschichte.
Der dritte Tag in Cortina schreibt keine deutschen Helden, aber viele offene Rechnungen. Die Frage ist nicht, wer gewinnt – sondern wer die Geschichte dieses Sports wieder heilen wird.
