Deutschland gegen finnland: wm-auftakt mit vorentscheidung schon am ersten tag
Seit 2010 hatte kein deutscher Eishockey-Nationalspieler mehr so viel Druck auf den Klingen wie heute. 16.20 Uhr, Eröffnungsspiel der WM 2026, Gegner Finnland – und schon nach 60 Minuten kann klar sein, ob das Quartett um Dominik Kahun zwei Wochen später überhaupt noch um das Viertelfinale mitspielt.
Warum das erste spiel fast schon das wichtigste ist
Harold Kreis’ Team landete in der härtesten Vorrunden-Gruppe seit Langem. Neben dem olympischen Bronzeriegen aus Finnland warten die NHL-Blocks der USA, die Schweizer NLA-Topbesetzung sowie vier Aufsteiger, die sich nichts mehr zu verlieren haben. „Wir haben keine Zeit, uns einzuspielen“, sagt Kahun. „Gewinnen wir nicht gleich, müssen wir gegen die Amerikaner und die Schweiz punkten – und das ist ein Blutzucker-Weg.“
Die Rechnung ist simpel: Bei nur sieben Partien in neun Tagen bedeutet jeder Verlust, dass die letzten Vorrundenspiele gegen Lettland, Österreich, Ungarn und Großbritannien zur Zitterpartie werden. Verliert Deutschland gleich zweimal, droht schon vor dem letzten Spieltag das Aus. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Nur einmal – 2017 in Köln – schaffte der DEB ein WM-Halbfinale nach einem Auftaktniederlagen-Szenario.

Was kreis gegen finnland anders macht
Der Bundestrainer verzichtete auf große Experimente. Die ersten beiden Reihen standen seit dem Deutschland-Cup fest, nur auf der dritten Sturmreihe rückt JJ Peterka ins Zentrum, flankiert von den beiden größten Bodycheckern im Kader. Dahinter läuft ein mobiles viertes Trio, das in der Lage sein soll, kurze Shiftzeiten zu spielen und den finnischen Top-Line um Mikko Rantanen physisch zu vernebeln.
In der Defense vertraut Kreis erstmals seit der Olympiaspielen 2022 wieder auf das Duo Seider – Gawanke. Die beiden standen in dieser Saison gemeinsam über 1.600 Minuten in der NHL auf dem Eis, kennen sich in Überzahl- und Unterzahlsituationen blind. „Wenn die Jungs früh den Rückwärtsgang vergessen, haben wir eine echte Chance“, sagt Kreis. „Aber wir dürfen Finnland nicht ins Powerplay bitten – dort liegen 42 % ihrer Tore.“

Die stimmung im team – zwischen euphorie und realismus
Am Morgen des Spiels herrschte im Mannschaftshotel fast schon Play-off-Atmosphäre. Spielerfrauen und -kinder wurden separat eingecheckt, Sponsoren waren nur noch mit Akkreditierung zugelassen. „Das ist gut so“, sagt Kahun. „Wir wissen, dass wir Außenseiter sind. Aber wir sind auch hungrig. Und Hunger macht schneller als Talent.“
Die Finnen reisen mit acht Olympiahelden an, doch gerade das könnte der deutschen Mannschaft in die Karten spielen. „Die haben den Druck, wir haben die Freiheit“, sagt Assistenzkapitän Moritz Müller. „Wenn wir das erste Drittel eng halten, wird die Halle kochen – und dann werden die Finnen zittern.“
Die fan-szene – 13.000 schwarz-rot-goldene stimmen
Die Arena in Riga ist restlos ausverkauft, 70 % der Tickets gingen an deutsche Anhänger. Die Fangruppe „Red Eagles“ organisierte bereits gestern eine Marschroute vom Rathausplatz bis zur Halle – begleitet von drei Blaskapellen und einem mitgereisten Bierwagen. „Wir wollen die Finnen schon vor dem Bully wissen lassen, dass sie im Löwenkäfig stehen“, sagt Sprecherin Lisa Grimm. Die Botschaft der Fans ist klar: Ein Sieg im Auftaktspiel wäre nicht nur ein Erfolg, sondern eine Kampfansage an den Rest des Turniers.
Für Deutschland beginnt die WM also nicht mit einem Spiel, sondern mit einer Zerreißprobe. Die Uhr läuft, die Schlittschuhe sind scharf gemacht, und die deutsche Eishockey-Nation wartet auf ein Signal. Ein Signal, das lautet: Diesmal wollen wir nicht nur dabei sein – diesmal wollen wir angreifen. Puck drop 16.20 Uhr. Danach ist klar, ob der Traum von einem Halbfinale Realität oder bereits nach 60 Minuten begraben ist.
