Deutschland gegen den jetlag: u20-handballerinnen trainieren den wecker

Barsinghausen – Fünf Uhr morgens im Trainingslager, während die Nacht noch ihren Schleier über die Region wirft. Doch im Haus der deutschen U20-Handballerinnen herrscht Hochbetrieb – ein ungewöhnlicher Drill, um den China-Jetlag zu besiegen. Bundestrainer Christopher Nordmeyer hat einen Plan, der so rigoros ist wie notwendig: Körper auf chinesische Zeit programmieren, bevor der Flug überhaupt stattgefunden hat.

Der wecker als waffe im kampf gegen die uhr

Die Weltmeisterschaft in Jinzhong (China) rückt näher, und mit ihr die Herausforderung der sechs Stunden Zeitverschiebung. Nordmeyer greift zu drastischen Maßnahmen: Um 21 Uhr ins Bett, um 5 Uhr raus aus den Federn. Kein Spiel mit der Zeit, sondern eine systematische Anpassung des Biorhythmus. „Wir haben vor ein paar Tagen damit angefangen“, erklärt der erfahrene Coach, „und sind jetzt bei dieser Routine gelandet. Den Rhythmus wollen wir dann in China übernehmen.“

Die jungen Spielerinnen zeigen sich erstaunlich gelassen. Farrelle Njinkeu, die gebürtige Berlinerin und Leistungsträgerin von Blomberg-Lippe, schmunzelt: „Das war zuerst nicht so einfach, vor allem so früh in den Schlaf zu finden. Aber wir wissen, wofür wir es machen, und haben uns schon daran gewöhnt.“ Eine Einstellung, die zeigt, dass der Teamgeist und die Zielstrebigkeit in der Mannschaft groß geschrieben werden.

Goldener herbst und weltmeisterträume

Goldener herbst und weltmeisterträume

Nach dem EM-Gold im vergangenen Jahr wollen die deutschen U20-Frauen nun auch die Weltspitze erklimmen. Doch Nordmeyer mahnt zur Bescheidenheit: „Ich kann als Trainer keine Tore werfen. Das Ziel muss aus der Mannschaft kommen, aber klar wollen wir die Vorrunde und auch die Hauptrunde überstehen.“ Die Konkurrenz ist stark, und der Titelverteidigung ist nichts abhandenkomen. „Viele sagen: Ihr seid Europameister, dann werdet ihr jetzt auch Weltmeister. Aber das ist nicht so einfach. Das ist ein ganz neues Turnier.“

Njinkeu blickt voller Vorfreude auf die Spiele (live bei Dyn) und wünscht sich: „Dass man über uns sagt, dass wir ein starker Jahrgang sind und herausgestochen haben. Und hoffentlich, dass wir eine Serie gebrochen haben. Man sagt ja oft, dass eine Mannschaft nach einem EM-Titel nicht auch noch Weltmeister wird. Genau das wollen wir ändern.“

Spielplan und aufgebot

Spielplan und aufgebot

Die deutsche Mannschaft ist bereit: 24. Juni (10.15 Uhr deutscher Zeit/16.15 Uhr Ortszeit) gegen Brasilien, 25. Juni (10.15 Uhr) gegen Kanada und 27. Juni (12.30 Uhr) gegen Rumänien. Alle Spiele live auf Dyn.

Das Aufgebot der U20-Nationalmannschaft:

  • Tor: Lena Lindemann (Bergischer HC), Merle Muth (TSV Bayer 04 Leverkusen)
  • Feld: Aylin Bornhardt (SG Schozach-Bottwartal), Lara Egeling (Borussia Dortmund), Hannah Gutzeit (HSV Solingen-Gräfrath), Marleen Kern (1. FSV Mainz 05), Laura Klocke (HC Leipzig), Lisa Lammich (HC Leipzig), Ruslana Litvinov (HSG Blomberg-Lippe), Emma Niemann (TV Hannover-Badenstedt), Farrelle Njinkeu (HSG Blomberg-Lippe), Kim Ott (Thüringer HC), Chiara Rohr (TV Hannover-Badenstedt), Marlene Tucholke (HC Leipzig), Jana Walther (HC Leipzig)

Ein herber Rückschlag ereilte das Team kurz vor dem Turnier: Lara Däuble (Göppingen), als eine der besten Spielerinnen Deutschlands, zog sich eine Handbruch im Vorbereitungsturnier zu. Für sie rückt Aida Mittag (Buxtehude) ins Team.