Deutschland droht beim biathlon das blanke desaster

Ein einziger Schuss fehlte, und mit ihm die letzte Chance auf ein Happy End. Am Samstag in Oslo steht für das deutsche Biathlon-Team die Schlusspistole an – und niemand traut sich noch zu feiern. Erstmals seit der Einführung des Weltcups vor 44 Jahren könnte die DSV-Truppe ohne einen einzigen Sieg durch den Winter gehen.

Das podest rettet nicht die statistik

Philipp Horn, Philipp Nawrath und Franziska Preuß holten Edelmetall, doch Gold blieb tabu. Die Mixed-Staffel schrammte an Olympia mit Bronze vorbei, was im Vergleich zur eigenen Historie wie ein Trostpflaster wirkt. Denn die deutschen Farben dominierten Jahrzehnte lang die weiße Arena – jetzt tanzen Norwegen, Frankreich und Schweden.

Die Geschichte vom „beinahe“-Sieg schrieb sich in Nove Mesto neu. Marlene Fichtner und Leonhard Pfund rasten als Erste durchs Ziel, doch die Jury strich den Triumph wegen eines zu frühen Wechsels. Die Antwort der Athleten: ein müdes Lächeln und die Erkenntnis, dass Pech keine Medaille schmilzt.

Die ranglisten sprechen eine deutliche sprache

Die ranglisten sprechen eine deutliche sprache

Vanessa Voigt führt das deutsche Damenfeld auf Platz 14 an, direkt vor der zurückgetretenen Titelverteidigerin Preuß. Bei den Männern reicht Nawraths Position zwölf nicht einmal für die Top-Ten. Philipp Horn folgt auf Rang 18 – Zahlen, die früher als Notstand galten.

Die Konkurrenz hat sich längst an die neue Ordnung gewöhnt. Während die deutschen Ski-Jäger noch auf Tuchfühlung hoffen, laufen die Gegner bereits im Schrittempo davon. Zu oft zitterten die Scheiben, zu selten das Selbstvertrauen.

Die letzten 30 schuss sollen die saison retten

Die letzten 30 schuss sollen die saison retten

Um 13:45 Uhr startet das Damen-Massenrennen, um 16:30 Uhr folgen die Männer. Oslo bietet einmal mehr die Bühne, doch selbst ein Doppelsieg würde die Statistik nur kosmetisch flicken. Die Leere nach Olympia, die Verletzungspech-Serie und das mangelnde Durchschlagsvermögen bleiben.

Die Fans warten auf das Wunder, das in diesem Winter ausblieb. Für Deutschland steht nicht nur ein Rennen auf dem Programm, sondern ein Statement gegen die eigene Erfolgslogik. Wenn die letzten Zielscheiben fallen, könnte die Bilanz lauten: null Siege, eine Lektion – und ein Sommer voller Fragen.