Duplantis lässt den rekord zu hause – und holt gold trotzdem

Armand Duplantis’ Stab knickt ein, aber nicht seine Siegesserie: Mit 6,25 m aus dem ersten Versuch klaut der Schwede der Konkurrenz in Torun schon wieder die Show – Weltrekord? Fehlanzeige. Der 21-Jährige reicht ein einziger Sprung, um seine vierte Hallen-WM-Krone zu sichern. 44 Wettkämpfe, kein einziger Verlust. Die Zahl ist so absurd, dass sie selbst die Gegner längst nicht mehr wütend macht, sondern nur noch kopfschüttelnd lässt.

Torun bleibt sein persönlicher zauberort

Hier, in der kleinen polnischen Universitätsstadt, hatte er am 8. Februar 2020 mit 6,17 m die erste Weltrekordlatte überflogen. Sechs Jahre später kehrt er zurück – nicht als Draufgänger, sondern als Geschäftsmann. Der Weltrekord von 6,31 m aus Uppsala vor drei Wochen reicht als Visitenkarte. Warum riskieren, wenn der Titel sicher ist? Emmanouil Karalis (6,05 m) und Kurtis Marschall (6,00 m) gucken wieder einmal in die Röhre. Silber und Bronze schmücken nur das Podest, nicht die Geschichte.

Die goldene Klammer zur deutschen Bilanz: Manuel Eitel springt im Siebenkampf auf 5818 Punkte – Platz neun. Der Schweizer Simon Ehammer sorgt für den einzigen Weltrekord dieses WM-Wochenendes: 6670 Punkte, Ashton Eatons Hallen-Bestmarke aus Istanbul 2012 ist damit Geschichte. Heath Baldwin (6337) und Kyle Garland (6245) machen es den USA wie so oft zur Doppelparty.

Deutsche sprinterinnen bleiben hinter den erwartungen

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Philina Schwartz, frischgebackene Hallenmeisterin, rennt 7,20 s im Halbfinale – Platz 16, keine Medaille. Die 19-Jährige schafft es nicht einmal, sich selbst zu übertreffen. Zaynab Dosso (7,00 s) und Jacious Sears (7,03 s) laufen weg, Julien Alfred (7,03 s) kommt mit der olympischen 100-m-Ausrüstung angerauscht. Das deutsche 14-Köpfe-Aufgebot reist ohne Malaika Mihambo an – die Weltmeisterin schont sich für den Sommer. Wer in Polen nach deutschem Edelmetall sucht, muss bis zum letzten Tag warten.

Duplantis’ Entscheidung, auf weitere Versuche zu verzichten, ist kein Mangel an Mut – es ist Kalkül. Warum sich dem Risiko aussetzen, wenn der nächste Rekord sowieso nur eine Frage der Zeit ist? Die Konkurrenz spricht es laut aus: „Solange er gesund bleibt, springen wir um Silber.“ Die Serie lebt, die Legende wächst – und Torun darf sich weiterhin Duplantis’ persönliche Schatzkiste nennen.