Deutsche tennisfrauen stolpern richtung regionalgruppe ii – jetzt droht der absturz
Oeiras – Ein 1:2 gegen Schweden, zwei Niederlagen nach zwei Spielen, und plötzlich hängt der Deutsche Tennis Bund wieder dort, wo er vor einem halben Jahr erst weg wollte: über dem Abgrund der Regionalgruppe II. Torben Beltz’ junge Auswahl verlor am Donnerstag das entscheidende Doppel mit 2:6, 4:6 gegen Caijsa Wilda Hennemann und Lisa Zaar und muss am Freitag oder Samstag ins Entscheidungsspiel, um den erneuten Abstieg zu verhindern.
Seidel stemmt sich allein – und bleibt auf der strecke
Ella Seidel hatte in Einzel eins gegen Kajsa Rinaldo Persson noch bewiesen, warum sie in Abwesenheit der verletzten Eva Lys momentan die Fahnenträgerin ist. 6:3, 6:4 – schnell, konzentriert, ohne viel Tamtam. Doch Noma Noha Akugue unterlag Caijsa Wilda Hennemann glatt in zwei Sätzen. Die Partie stand 1:1, als der Regen am Mittwochabend das Band stoppte. Am Vormittag danach brauchten die Schwedinnen nur 74 Minuten, um die deutsche Hoffnung im Doppel zu zerdrücken.
Die Zuschauer auf den Rängen in Oeiras: kaum mehr als ein Dutzend. Die Stille nach dem letzten Ballwechsel: ohrenbetäubend. Dabei war gerade diese Begegnung das Minifinale. Wer gewinnt, kann noch Zweiter werden und hat das Play-off-Heft in der Hand. Wer verliert, rutscht in die Abstiegszone. Jetzt ist klar: Deutschland spielt gegen das Schlusslicht aus der Parallelgruppe – und ein einziges Match entscheidet darüber, ob die DTB-Damen im Herbst 2026 in der dritten statt in der zweiten Division antreten müssen.

Ein gau für den verband – und ein schlag ins kontor für den nachwuchsplan
Zweimal hatte Deutschland den Fed Cup gewonnen – 1987 und 1992, beide Male mit Steffi Graf als Antreiberin. Seitdem war das Team nie tiefer als Gruppe I gefallen. Erst im Oktober 2025 ging es runter aus der Weltgruppe. Sollte es jetzt weiter nach unten gehen, wäre das mehr als nur ein statistisches Kuriosum: Sponsoren könnten springen, TV-Gelder würden wegbrechen, und die jungen Spielerinnen verlören wertvolle Matchpraxis auf internationalem Parkett.
Die Rechnung von Teamchef Beltz ging nicht auf. Er setzte auf Seidel als Anführerin, auf Akugue als Powerpaket und auf das Doppel Duo Seidel/Brockmann als Rückgrat. Doch Akugue wirkte nervös, Brockmann fand nie ihren Rhythmus, und die Schwedinnen servierten wie aus der Pistole. 2:6, 4:6 liest sich auf dem Papier glatt – auf dem Court wirkte es noch deutlicher.
Am Freitag um 14.00 Uhr trifft Deutschland auf Dänemark. Auch die Skandinavierinnen haben zwei Niederlagen auf dem Konto, aber das letzte Gruppenspiel hat nur noch statistischen Charakter. Entscheidend ist das folgende Play-off. Ob es Freitag oder Samstag stattfindet, hängt vom Turnierplan ab. Gegner wird entweder die Nummer drei oder vier aus der Gruppe A – beide haben mehr Punkte als der DTB und damit Heimrecht. Die Auswärtsbelastung droht, die deutschen Nerven noch weiter zu strapazieren.
Die Zahlen sind gnadenlos: zwei Matches, zwei Niederlagen, nur zwei Einzelsiege. Der direkte Vergleich mit Schweden entscheidet die Platzierung – und der spricht klar gegen Deutschland. Jetzt heißt es: letzte Chance, letztes Aufgebot, letztes Aufbäumen. Wer hier nicht trifft, fliegt raus aus der zweithöchsten Spielklasse. Und fliegt weit.
