Deutsche eishockey-cracks wollen nach olympia-blamage in der schweiz zurückschlagen
Die Pleiten sind verdaut, der Stachel sitzt tief. Nach dem Vorrunden-Rausch bei der WM 2025 und dem Viertelfinal-K.o. in Mailand zieht das DEB-Team in die 89. Eishockey-Weltmeisterschaft – und plötzlich zählt nur noch eins: Revanche direkt vor der Haustür der Eidgenossen.
Harold Kreis weiß, dass seine Jungs keinen zweiten Fehlstart erlauben dürfen. „Wir wollen bei unseren Nachbarn eine sehr gute WM abliefern“, sagt der 67-jährige Bundestrainer vor dem Turnierstart am 15. Mai 2026 in Zürich. Dahinter steckt mehr als PR-Talk. In zwölf Monaten ist Deutschland selbst Gastgeber – und wer jetzt blamiert, baut keine Basis für 2027.
Gruppe a verspricht gänsehaut-atmosphäre
Die Auslosung war gnadenlos. Die DEB-Auswahl landet in der Todesgruppe mit Weltmeister USA, Olympiasieger und Gastgeber Schweiz. Dazu gesellen sich Finnland, Lettland, Österreich, Ungarn und Aufsteiger Großbritannien. Schon das Eröffnungsspiel (Fr., 15. Mai, 16.20 Uhr) bringt das Pulverfass zum Überkochen: Deutschland gegen Suomi – als erstes Match überhaupt im Turnier.
Kreis’ System lebt von schnellem Umschaltspiel und disziplinierter Defensive. Doch genau dort klapperte es zuletzt. 18 Gegentore in fünf Vorrundenpartien 2025 – so viele wie seit 2010 nicht mehr. Die personelle Lücke nach dem Karriereende von Dennis Seidenberg und der Verletzung von Thomas Holzmann nagt weiter. Jungspund Luca Hauf (20) soll neben Moritz Müller die Zweitpaarung stabilisieren, doch ein 20-Jähriger allein trägt kein Turnier.

Der schweiz droht ein skandal-beben
Die Organisatoren in Zürich und Fribourg hätten sich einen anderen Nebenschauplatz gewünscht. Doch die Affäre um Swiss-Cheftrainer Patrick Fischer belastet die Atmosphäre. Der Coach räumte ein, sich 2022 mit einem gefälschten Corona-Zertifikat nach Peking geschmuggelt zu haben. Sein Vertrag läuft trotzdem bis 2028 – ein Politikum, das die SRG bereits jetzt zum Dauerthema macht.
Die DEB-Delegation beobachtet das mit gemischten Gefühlen. Einerseits entlastet jeder Mediendruck auf den Gegner. Andererseits weiß man, wie schnell sich Stimmung in einer Schweizer Halle dreht – vor allem, wenn die deutsche Kurve im Letzigrund die Schweizer Hymne übertönt.

Der countdown läuft – 64 spiele in 17 tagen
Von 15. bis 31. Mai sind die Hallen dicht. 64 Partien in 17 Tage gepresst, Viertelfinale am 28. Mai, Halbfinale am 30. Mai, Finale am 31. Mai. Parallel kocht in Prag bereits die Vorbereitung auf 2027. Die CS Arena wird umgebaut, die Debeka als neue Top-Sponsorin an Bord geholt. Ein zweiter Vorrunden-Crash wäre deshalb nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich ein Griff ins Eis.
Die letzte deutsche WM-Medaille datiert von 1953 – Bronze in Zürich. Es wird Zeit, dass diese Serie reißt. Sonst bleibt nur die tröstliche Erkenntnis: 73 Jahre sind keine Runde, sondern eine Eiszeit.
