Deutsche curling-cracks stoppen asien-angst und kassieren k.-o.-sieg gegen südkorea

Die Haare standen Kopf in Ogden. Nach zwei blutleeren Auftritten gegen Polen und Italien schlug Marc Muskatewitz' Team im Nachtduell Südkorea mit 6:4 – und atmete durch. Der vierte Platz in der Tabelle stimmt, der Spielfluss endlich auch.

Muskatewitz zückt den hammer zum rechten zeitpunkt

Der Skip hatte vor dem Endsteine noch ein Ass im Ärmel. Mit dem letzten Wurf drehte er die koreanische Schießbude um 180 Grad, verwandelte ein vermeintlicles Unentschieden in drei Punkte und damit in den zweiten Sieg innerhalb von 24 Stunden. Die 4:11-Klatsche gegen Polen, die bis dato WM-geschichtslos blieb, schien vergessen.

Die Szenerie passt. In der Olympiahalle von 2002, wo einst Vancouver-Gold für die USA fiel, kehrte auch Deutschland zurück auf die Siegerstraße. Die Tschechen wurden am Sonntagabend mit 8:7 erledigt, die USA zu WM-Auftakt gar 10:5. Dazwischen liegen nur zwei Patzer, die Muskatewitz offen anspricht: „Wir haben gelernt, dass man in Utah keine halben Sachen machen kann. Ein schlechtes End und die Bahn beisst sofort zu.“

Die Rechnung ist dennoch einfach. Bei noch sechs Round-Robin-Partien reichen drei weitere Erfolge, um mindestens ins Play-off zu marschieren. Dort kämpfen die Ränge drei bis sechs um zwei weitere Halbfinaletickets. Die Top zwei sind direkt drin. Deutschland liegt aktuell auf Kurs vier – und damit genau auf der Kante zwischen Traum und Vorzeit-Aus.

Norwegen wartet mit skiptalent walstad

Norwegen wartet mit skiptalent walstad

Am Montagabend kommt es zum Duell mit den Skandinaviern, die wie Deutschland zwischen euphorischem Hoch und unerklärlichem Tief schwanken. Magnus Ramsfjells Team schoss Kanada aus dem Turnier, kassierte aber ebenso einen Dämpfer gegen Italien. Die Norweger sind bekannt für ihre präzisen Guard-Steine und die berüchtigte Freeze-Taktik, die Gegner in den Wahnsinn treibt. Für Muskatewitz heißt es, die Vorhand zu nutzen und früh Druck zu erzeugen.

Die deutsche Curling-Bundestrainerin Holger Hüttnerblickt dennoch gelassen nach vorn: „Wir haben die beste Take-out-Quote des gesamten Feldes. Wenn wir die ersten Steine setzen, sind wir schwer zu schlagen. Die Jungs haben bewiesen, dass sie sich aus dem Loch ziehen können.“

Bei Olympia 2026 in Cortina d'Ampezzo schied die Auswahl als Siebter vorzeitig aus. Die Lehren daraus zogen Muskatewitz und Co. konsequent: mehr Eiszeiten im Vorfeld, ein verschärftes Video-Scouting, ein Mentalcoach, der eigens aus München anreiste. Die Zahler: Deutscher Curling-Verband und ein Sponsor aus der Biotech-Branche, der die teuren Trainingslager in Kanada finanziert.

Das Endspiel ist am 4. April. Wer bis dahi nicht in den Top 6 steht, fliegt raus. Die Devise lautet: Mindestens zwei Siege aus den restlichen Partien gegen Norwegen, Schottland, Japan, Schweiz und Schweden. Klingt machbar, ist es auch – sofern die Abstimmung zwischen Skip und Third Marc Bastian funktioniert wie gegen Südkorea. Dort war es Bastian, der mit dem Triple-Take-Out im siebten End die Weichen stellte.

Die deutsche Curling-Hoffnung lebt. Und mit jedem Stein, der ins Haus rutscht, wächst das Selbstvertrauen für Cortina 2026. Noch stehen 180 Würfe bis zur Medaille. Die nächsten 20 fallen gegen Norwegen – mit oder ohne Happy End für Deutschland.