Delvecchio: vom fußballstar zum immobilien-experten – und was er in der euro 2000 ändern würde!
Marco Delvecchio, einst gefürchteter Stürmer in der Serie A, hat sich erfolgreich in der Immobilienbranche neu erfunden. Doch der Fußball ist ihm treu geblieben – und die Erinnerungen an verpasste Chancen ebenso. In einem exklusiven Gespräch plaudert der ehemalige Roma-Angreifer über seine Karriere, seine Zeit unter Fabio Capello und die besondere Beziehung zu Francesco Totti.
Von der bank zum immobilien-magnaten: ein neustart mit köpfchen
Wer Marco Delvecchio heute trifft, erkennt den ehemaligen Fußballprofi auf den ersten Blick: Die Disziplin und der Fokus sind ihm verinnerlicht. Doch statt auf dem Trainingsplatz ist er nun in Rom tätig, wo er mit Erfolg Häuser kauft, verkauft und vermietet. „Die Mentalität ist die gleiche wie beim Fußball“, erklärt Delvecchio. „Es geht darum, Chancen zu erkennen und schnell zu handeln.“
Ein Wendepunkt in seiner Karriere war die Entscheidung, seine Vergangenheit zunächst zu verbergen. „Als ich meine spätere Frau kennenlernte, habe ich ihr nicht gesagt, dass ich Fußballer bin. Ich musste herausfinden, ob da mehr war als nur der Name Delvecchio, der mit Fußball verbunden ist.“

Morattis versprechen und der wechsel nach rom: ein unglücklicher zufall?
Delvecchio blickt zurück auf seine Zeit beim Inter Mailand, wo er von Massimo Moratti hochgehalten wurde. „Zwei Monate bevor ich ging, sagte er mir, ich würde zur Legende des Inter werden. Dann kam der Tausch mit Branca, und plötzlich stand ich bei Roma.“ Ein Schicksalsschlag, der seine Karriere entscheidend prägte.
In der ewigen Stadt traf Delvecchio auf Carlo Mazzone, der ihm riet, sich seinen Platz zu erkämpfen. „Mazzone sagte: ‚Vorne haben wir zwei Phänomene, Balbo und Fonseca, und dahinter einen Jungen, der unbedingt spielen will. Du musst dir deinen Platz erkämpfen.‘“ Ein Kampf, der ihm sichtlich schwerfiel.

Die „ohren-geste“ und das duell mit nesta: ikonische momente in rom
Die kritischen Rufe der Fans wurden zu einer Quelle der Motivation. Aus der anfänglichen Frustration entwickelte sich die legendäre „Ohren-Geste“, die Delvecchio zu einem Symbol der Rom-Anhänger machte. „Es begann als Herausforderung, um zu zeigen, dass ich meinen Job mache. Später wurde es zur Feier der Roma.“
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm das Duell mit Alessandro Nesta. „Alessandro war ein fairer Verteidiger, und das hat mir Vorteile verschafft. Wir waren uns auch physisch ähnlich. Ich konnte ihn oft ins Stolpern bringen. In der Nationalmannschaft habe ich ihn oft aufgezogen, aber er hat mich nur ausgelacht: ‘Du bist berühmt geworden dank meiner Hilfe!’“

Totti, capello und die verpasste chance in frankreich: was hätte sein können
Die Zusammenarbeit mit Francesco Totti wird Delvecchio als eine der prägendsten Erfahrungen seiner Karriere beschrieben. „Francesco war die Konstante einer ganzen Epoche. Der größte Spieler, mit dem ich je gespielt habe.“ Ein gemeinsamer Moment, der ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: „Ich kam von der WM zurück und dachte, ich würde nur zum Aufbauen dabei sein. Capello las die Aufstellung vor, und ich war dabei. Francesco lachte und sagte: ‘Dieser Junge ist verrückt!’“
Und dann ist da noch die bittere Erinnerung an das Finale der Europameisterschaft 2000 gegen Frankreich. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich dieses Spiel in den letzten 20 Sekunden anders spielen.“ Der verlorene Titel schmerzt bis heute, doch Delvecchio blickt nach vorn – in eine Zukunft, in der er weiterhin mit Köpfchen und Weitblick agiert, genau wie auf dem Fußballplatz.
Denn wie er selbst sagt: „Die Schlüssel sind immer noch die gleichen: Die Chance erkennen, bevor alle anderen es tun.“
