Pizzi: von argentinien nach kuwait – wo geht die reise hin?
Der erfahrene Fußballtrainer Juan Antonio Pizzi, einst gefeierter Stürmer und später erfolgreicher Coach, befindet sich an einem Scheideweg seiner Karriere. Nach einem kurzen Intermezzo in Kuwait und einer langen Wirkungszeit in Spanien blickt Pizzi in einem exklusiven Interview auf seine bewegte Laufbahn und deutet mögliche zukünftige Schritte an. Doch was treibt den ehemaligen Nationalspieler und Pokalsieger wirklich an?

Die suche nach neuen herausforderungen: mehr als nur feuerwehrmann
Pizzi, der in Argentinien geboren wurde und sowohl in seiner Heimat als auch in Portugal und vor allem in Spanien als Spieler Erfolge feierte – 160 Tore in 386 Spielen sprechen eine deutliche Sprache – scheint die Routine verlassen zu haben. Nach seiner Zeit als Trainer der kuwaitischen Nationalmannschaft, die er im August verließ, sucht er nun nach einem Projekt, das ihn wirklich inspiriert. „Ich brauche etwas, das sediert, das ambitioniert ist und mir erlaubt, meine Vorstellung vom Fußball umzusetzen“, erklärt er im Gespräch mit MARCA.
Die Frage, ob seine nächste Station ein Verein oder eine Nationalmannschaft sein wird, beantwortet Pizzi pragmatisch: „Es hängt alles von der Projektion ab.“ Er kritisiert die Tendenz vieler Vereine, lediglich „Feuerwehrmänner“ zu suchen, um akute Probleme zu lösen, und betont, dass er eine langfristige Vision benötigt, um seine Ideen zu verwirklichen. Das klingt nach einem Mann, der nach mehr als nur einem kurzfristigen Engagement sucht.
Die Anpassung an den asiatischen Fußball gestaltete sich keineswegs einfach. „Es ist nicht leicht, man muss sehr gut vorbereitet und vor allem respektvoll sein“, so Pizzi. Seine Zeit in Saudi-Arabien habe ihm jedoch gezeigt, dass auch in Asien der Wunsch nach Verbesserung und Weiterentwicklung besteht. Seine Verbundenheit zum spanischen Fußball hingegen ist ungebrochen. „Ich habe eine große Identifikation mit dem Fußball in Spanien“, gesteht er.
Ein Comeback in LaLiga? „Logischerweise“, antwortet Pizzi auf die entsprechende Frage. Seine Karriere in Spanien hat ihn geprägt, und er scheint eine besondere Sehnsucht nach der Intensität und Qualität des spanischen Fußballs zu verspüren.
Mourinhos Rolle beim Real Madrid bewertet Pizzi ebenfalls positiv. „Er muss man nicht mehr vorstellen. Er ist der Eckpfeiler, der dem Real Madrid fehlt. Er kennt den Verein und hat dort bereits sehr gute Ergebnisse erzielt. Ich glaube, er hat die Persönlichkeit, um den Verein zu führen.“ Seine Einschätzung unterstreicht Pizzi’s Expertise und seinen Blick für Qualität im Fußball.
Die Herausforderungen für argentinische Vereine im Kampf um die Copa Libertadores sieht Pizzi vor allem in den finanziellen Unterschieden zu brasilianischen Klubs. „Die Budgets der brasilianischen Vereine sind größer als die des argentinischen Fußballs. Die talentierten argentinischen Spieler werden oft nach ein oder zwei Jahren verkauft“, bedauert er. Ein Teufelskreis, der es schwer macht, langfristig auf höchstem Niveau zu bestehen.
Auch die Situation der chilenischen Nationalmannschaft bereitet Pizzi Sorgen. Nach einem goldenen Jahrzehnt ohne WM-Teilnahme ist das Land gefordert, seine Strukturen zu überdenken. „Als wir erfolgreich waren, hatten wir eine Generation außergewöhnlicher Spieler wie Alexis Sánchez, Arturo Vidal und Gary Medel. Die verpasste Qualifikation für die WM 2018 hat diese Entwicklung gebremst. Es müssen Fehler analysiert und die Grundlagenarbeit im Nachwuchsbereich verbessert werden.“
Auch die aktuelle Lage beim FC Valencia, wo Pizzi einst tätig war, bedauert er. „Ich bin nicht auf dem Laufenden, wie die Mannschaft arbeitet. Es ist traurig zu sehen, dass ein Verein mit der sozialen Bedeutung und Leidenschaft des FC Valencia nicht in der spanischen Liga eine Rolle spielt.“
Julián Álvarez’s möglicher Wechsel zum FC Barcelona sieht Pizzi als „außergewöhnlich“ an. „Ich habe keinen argentinischen Stürmer gesehen, der seine Qualitäten und seine Entwicklungsmöglichkeiten hat. Er ist relativ jung und hat sich sowohl in England als auch in der argentinischen Nationalmannschaft bewiesen. Ich glaube, er würde perfekt in Barcelona passen.“
Juan Antonio Pizzi befindet sich somit an einem spannenden Punkt seiner Karriere, bereit für eine neue Herausforderung, die seine Erfahrung und sein Wissen einbringen kann. Ob es ein Verein in Spanien oder ein neues Abenteuer im Ausland sein wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Pizzi wird alles daran setzen, seine Leidenschaft für den Fußball in seinem nächsten Projekt zu entfachen. Die Fußballwelt wird gespannt sein.
