Del toro erobert tirreno-adriatico – milan sprintet sich in die geschichtsbücher

Die Adria schäumte, die Räder glühten. Jonathan Milan jagte sich auf der letzten Metertirade von San Benedetto del Tronto in die ewige Bestenliste – drei Etappenzähler in Folge, ein Kunststück, das nur Mario Cipollini und Alessandro Petacchi vor ihm vollbracht hatten. Doch während der Italiener jubelte, zog im Führungsauto schon der Vorhang für den nächsten Act: Isaac Del Toro, 22, Mexikos Antwort auf Tadej Pogacar, schraubte sich in Rosa-Gelb.

Die Fakten klingen lapidar: 40 Sekunden Vorsprung auf Matteo Jorgensen, 42 auf Giulio Pellizzari. Die Wahrheit ist rauer. Auf der 5. Etappe riss ein Sturz Del Toros Kettenblatt, ließ ihn zwei Minuten liegen. Die Jury strich die Zeit – Geschenk oder verdiente Gerechtigkeit? Die Antwort liefert der Blick auf die Anstiege von Monte San Vicino und Recanati: Dort fraß der UAE-Profi seine Verfolger in Sekundenschnelle auf, so wie er zuvor schon die UAE Tour dominiert hatte.

Deutschland bleibt außen vor

Deutschland bleibt außen vor

Georg Zimmermann, deutscher Meister, kam als 38. mit halber Stunde Rückstand. Kein Drama, nur nüchterne Arithmetik: Deutschland hat in Italien keinen Sprinter, der mit Milan oder Welsford mitgeht, keinen Kletterer, der Del Toros Tempo länger als zehn Kilometer erträgt. Die Bundesliga der Radsport-Nationen findet derzeit woanders statt – im Alpenvorland, in den Ardennen, an den mexikanischen Vulkanstraßen, wo Del Toro als Jugendlicher gegen den Wind trainierte.

Milan selbst wischte sich nach dem Sieg Schweiß und Asphalt aus den Augenwinkeln. „Die Jungs haben mich gestern im Gruppetto durch die Hölle geschleppt, heute war ich ihnen was schuldig.“ Kein Pathos, nur klare Rechnung. Sein dritter Sieg kam trotz gestürzter Top-Favoriten Magnier und Philipsen – ein Déjà-vu mit Schrammen.

Und weiter? Am Samstag rollt Del Toro nach Mailand-Sanremo, wo er Pogacars letztes Rätselstück bleibt. Wer ihn dort unterschätzt, hat die letzten zwei Wochen nicht zugesehen. Die Adria hat gesprochen – das Meer ist sein Verbündeter, nicht sein Limit.