Del piero und balotelli auf der tribüne: legenden feuern ihre söhne in der vierten liga an

Sesto San Giovanni – 90 Minuten nach Abpfiff tobt der Breda-Stadion noch. Nicht wegen des umstrittenen Elfmeters, sondern weil zwei Superstars der italienischen Fußballgeschichte plötzlich wieder mitten im Getümmel stehen. Alessandro Del Piero und Mario Balotelli haben sich in die Serie D verirrt – und ihre Familien mitgebracht.

Del Piero saß in Reihe drei, Kapuze hoch, Blick wie ein Radar. Sein Sohn Tobias, 18, frisch von der Juventus-Nachwuchsschule zu Pro Sesto gewechselt, sollte eigentlich starten. Blieb aber stur auf der Bank. „Er ist noch in der Eingewöhnungsphase“, sagte Clubchef Fabrizio Navarini später, „Alex versteht das.“ Verständnis hin oder her – die Enttäuschung war im Gesicht des Weltmeisters von 2006 abzulesen.

Balotelli bringt bruder enock ein

Balotelli bringt bruder enock ein

Balotelli dagegen kam als letzter ins Stadion, begleitet von zwei Bodyguards und einem Koffer voller Signierstifte. Sein Adoptivbruder Enock Barwuah, 33, Stürmer bei Desenzano, sollte helfen, den Tabellenführer zu halten. Kam in der 70. Minute, traf den Pfosten, wurde danach von Mario auf den Schultern durch die Mixed Zone getragen. Das 2:1 durch den umstrittenen Strafstoß war da längst besiegelt.

Die Zahlen des Abends: 2.847 Zuschauer – Doppelbesetzung zum letzten Heimspiel. 417 Selfies mit Del Piero, 312 mit Balotelli. Dazu 89 Autogrammkarten, zwei kaputte Zaunlatten und ein Security-Vorfall, weil ein Jugendlicher versuchte, in die Kabine einzudringen. „Das ist keine Serie D mehr, das ist ein Zirkus“, murrte Pro-Sesto-Coach Matteo Tognonazzi, während er die abgerissenen Wandtapeten hinter sich flickte.

Interessierte Beobachter auf der Tribüne: Nicola Legrottaglie, Ex-Juve-Verteidiger und heute TV-Experte, sowie Fabio Galante, der mit Inter einst das Triple holte. Beide nahmen Notizen – nicht über Taktik, sondern über die Marketing-Potenziale. „Wenn Del Piero und Balotelli ihre Kids hier haben, wird das hier zur neuen goldenen Kette“, sagte Galante. Er meinte die Amateurliga, die plötzlich Sky-Kameras und TikTok-Streamer will.

Die Frage, die niemand laut stellt: Was tun diese Namen in einer Staffel, in der die Busfahrer noch die Trikots waschen? Die Antwort steht in der Tabelle: Desenzano ist jetzt Erster, Pro Sesto Fünfter. Enock Barwuah trägt drei Punkte nach Hause. Tobias Del Piero trägt noch keine, aber den Druck eines Vaters, der in Turin Statuen hat.

Am Ausgang warten bereits die Scout-Listen der Klubs aus Serie B. Der Sohn des goldenen Boys und der Bruder des Enfant Terrible – das verkauft sich auch in der vierten Liga. Nächstes Wochenende spielt Pro Sesto in Busto Arsizio. Die Karten sind bereits ausverkauft. Der Zirkus zieht weiter – und die Legenden mit ihm.