Werder verspielt den klassenerhalt gegen mainz – und jetzt?
0:2 gegen Mainz 05, Platz 15, sieben Spiele Saisonende: Werder Bremen hat am Sonntag nicht nur drei Punkte verspielt, sondern auch die letzte Luft aus der Ostkurve gepresst. Die Bremer wirkten im Kellerduell wie gelähmt, die Mainzer wie entfesselt. Nach sechs Minuten war die Partie gelaufen – und mit ihr vielleicht die ganze Saison.
Die erste halbe stunde war eine demonstration der hilflosigkeit
Paul Nebel stieg in der 6. Minute zum Kopfball hoch, Werders Viererkette schaute ihm dabei zu, als hätte jemand die Anleitung verlegt. Die Antwort der Hausherren: ein Bittencourt-Lattenkopf, ein Grüll, der sich von einer Taube ablenken ließ, und ein Publikum, das zwischen Fluchen und Schweigen hin- und herpendelte. Leonardo Bittencourt brachte es nach dem Abpfiff auf den Punkt: „Wir haben nicht das Gefühl vermittelt, dass wir dieses Spiel unbedingt drehen wollen.“
Die Statistik hinter dem Satz: erst zwei Torschüsse nach 25 Minuten, 37 Prootte Zweikampfquote, null Torgefahr aus dem Spiel heraus. Mainz spielte, als ginge es um die Meisterschaft; Werder, als stünde bereits der Urlaubsflieger auf dem Rollfeld.

Jetzt droht der nächste schlag in wolfsburg
Samstag, 15.30 Uhr, im Volkswagen-Stadion: Werder muss gewinnen, um nicht auf Relegationsplatz zu rutschen. Jens Stage, sieben Tore, fünfte Gelbe, fällt gesperrt aus. Julian Malatini laboriert an einer Oberschenkel-Verletzung. Die Personaldecke ist so dünn, dass Clemens Fritz nicht einmal mehr nachhelfen kann. „Da wird es nicht einfacher“, sagt der Sportchef und klingt dabei, als hätte er schon den Blick auf die 2. Liga gerichtet.
Trainer Daniel Thioune muss nun eine Mannschaft aufrütteln, die sich selbst nicht mehr glaubt. Die letzten sieben Spiele sind Programm: Wolfsburg, Stuttgart, Freiburg, Union, Bochum, Hoffenheim, Köln. Punkte sind Pflicht, sonst wird aus der Weser im Mai ein Abstiegsstrudel.
Die Ostkurve wird wieder ihr Banner hochhalten: „Alles geben für den Klassenerhalt!“ Diesmal müssen die Spieler es auch umsetzen. Sonst bleibt am Ende nur ein Satz wie 2021: „Wir waren nicht klar genug“ – und die bittere Erkenntnis, dass Tauben nicht der einzige Grund sind, warum man in der Bundesliga absteigt.
