Dbb-frauen fliegen nach berlin: so sieht medaillen-kampflust aus
Ein Riesen-Boarding-Pass, 12 strahlende Gesichter, ein Satz aufgedruckt: „Abflug Berlin“. Nach dem 81:73 gegen Nigeria haben Deutschlands Basketballerinnen nicht nur das Ticket zur Heim-WM gelöst, sondern sich selbst ein halbes Jahr vor dem Spätsommer-Finale ein emotionales Pfund auf die Schultern gelegt.
Olaf Lange stand in Villeurbanne mit verschränkten Armen an der Seitenlinie – und ließ nach dem Schlusspfiff die Maske fallen. „Dieser Sieg war kein Bonus, er war ein Befreiungsschlag“, sagte der neue Bundestrainer. Ohne Satou Sabally, ohne Marie Gülich, ohne Luisa Geiselsöder hatte seine Mannschaft bewiesen, „dass Disziplin und Wille auch gegen athletische Feuerwerke reichen“.
Die zahl, die den unterschied macht: 35:31 – die halbzeitführung gegen nigeria
Ein kleiner Vorsprung, aber ein großes Signal. Denn die Afrobasket-Championinnen preschten aus den Startblöcken, trafen aus der Drei, störten jeden Passweg. Dass das junge deutsche Korpus nicht wankte, sondern mit einer 8:0-Serie antwortete, war der Moment, in dem Lange innerlich „Yes“ schrie. Seit Kanadas Lisa Thomaidis den Stab weitergegeben hat, predigt er „Defense first“ – und genau diese Haltung verhinderte im letzten Viertel den Kollaps.
Die Bilanz nach fünf Spielen in sieben Tagen liest sich glatt: vier Siege, nur eine Niederlage – gegen Frankreich mit 63:85. Das Debakel gegen die Olympia-Zweiten war kein Ausrutscher, sondern ein Lehrstück. „Wir haben gesehen, wie schnell es bergab geht, wenn die Rotation nicht funktioniert“, sagte Frieda Bühner. Genau deshalb trainierte Lange in den letzten beiden Tagen jeden Morgen Extra-Einheiten für die Pick-and-Roll-Verteidigung. Die Spielerinnen nennen es liebevoll „Früh-Schicht“, weil der Coach um 6:30 Uhr pünktlich mit Trillerpfeife durch den Flur marschiert.

Nyara sabally zieht den fokus auf die wnba – und riskiert den saisonstart
Während die DBB-Delegation am Dienstag Richtung Frankfurt abhob, blieb Nyara Sabally in den USA. Die Tarifverhandlungen zwischen der Spielergewerkschaft und der Liga drohen den Saisonbeginn zu blockieren. „Ich hoffe, Ende April geht’s los“, sagte sie per FaceTime – und meinte damit nicht nur ihren persönlichen Kalender. Sollte die WNBA streiken, wäre Sabally sofort bereit, nach Berlin zurückzukehren und mit dem Team zu trainieren. Lange winkt ab: „Erst einmal schauen wir, wie das Los am 21. April in Berlin unsere Gruppenphase formt.“
Die Auslosung wird im Tempodrom über die Bühne gehen – und schon jetzt kursieren Insider-Namen: USA, Australien, China. Keine leichte Gruppenphase, aber genau das will Lange. „Wir brauchen Druck, sonst lernen wir nichts dazu.“
Die Spielerinnen haben sich in den vergangenen sieben Tagen nicht nur kennengelernt, sondern auch verstanden. Nach dem Nigeria-Spiel sangen sie im Bus ein kapriziöses Medley aus 2000er-Hits – und ließen dabei die Fenster runter, damit die Fans am Straßenrand mitschunkeln konnten. Ein Bild, das bleibt: Sport als Gemeinschaft, nicht als Show. In vier Monaten wird kein Bus mehr reichen, dann werden 12.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena die Decke zum Beben bringen. Die Tickets für das Vorrundenspiel gegen Serbien sind bereits nach 48 Stunden ausverkauft.
Die Message ist klar: Deutschland hat nicht nur eine WM-Teilnahme gesichert, sondern eine Medaillen-Mission gestartet. Und wenn Lange eines aus Villeurbanne mitnimmt, dann dies: „Wenn wir so weiterspielen, braucht niemand Angst vor uns haben – außer wir vor uns selbst.“
