Dänischer kaltstart in der toskana: lund andresen schockt den sprintzirkus
Der dänische Sprinter Tobias Lund Andresen hat am Mittwoch das internationale Sprintestablishment in der Toskana vor die Wand gefahren. Nach 221 Kilometern von Cortona nach Magliano de' Marsi jagte der 23-Jährige von Decathlon CMA CGM seine Räder zum Etappensieg bei Tirreno-Adriatico – und ließ dabei Größen wie Jasper Philipsen und Jonathan Milan alt aussehen.
Die lücke, die keiner sah
„Milan hat den Sprint aus der Ferne gestartet, wir hatten alle etwas kalte Beine“, sagte Lund Andresen nach dem Ziel. Das war untertrieben. Die Etappe ohne nennenswerte Höhenmeter hatte die Beine der Sprinter eingeschläfert, und genau das nutzte der Däne. In der Zielgeraden von Magliano de' Marsi schaltete er einen Gang höher, während die Konkurrenz noch durchdrehte. Lund Andresen feierte seinen dritten Saisonsieg – und das bei einem der wichtigsten Rennen des Frühjahrs.
Hinter ihm wurde es eng. Philipsen musste sich mit Platz drei begnügen, Milan rollte nur auf Rang sieben. Für Lund Andresen ist das mehr als nur ein Etappensieg. Es ist eine Kampfansage an die etablierten Sprintstars vor Mailand-Sanremo.

Der mexikaner, der nicht wackelt
Während die Sprintstars zitterten, blieb Isaac del Toro eisern. Der 22-jährige Mexikaner von UAE Emirates-XRG verteidigte souverän das Blaue Trikot des Gesamtführenden. del Toro, im Vorjahr noch als Geheimtipp gehandelt, hat sich inzwischen zu ernsthaften Ambitionen verabschiedet. Er ist kein Schattemann mehr, sondern Läufer mit eigener Agenda.
Beim ersten Monument der Saison in knapp zwei Wochen wird er allerdings nicht für sich fahren. In Sanremo wird del Toro vornehmlich Weltmeister Tadej Pogacar zur Seite stehen. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn wer so souverän führt wie del Toro, wird früher oder später seine eigene Rechnung aufmachen.
Lund Andresen jedenfalls hat bewiesen, dass man auch mit kalten Beinen heiß sprinten kann. Und del Toro zeigt, dass man mit 22 Jahren schon alt genug ist, um die Großen zu nerven. Die Toskana war nur der Anfang.
