Cottbus gegen rostock: das ost-derby, das die 3. liga entzündet
22 800 Menschen, ein Stadion, das bebt, und ein Zwist, der seit zwölf Monaten schwelt – am Samstag um 14 Uhr rollt der Ball im Stadion der Freundschaft, und mit ihm die Rechnung zwischen Energie Cottbus und dem Angstgegner Hansa Rostock. Die Lausitzer führen die Tabelle an, die Hanseaten haben die Form, die Fans haben die Nerven blank.
Der knackpunkt heißt krauß
Maximilian Krauß tritt nach 347 Tagen erstmals wieder auf den Rasen, den er einst zum Beten verliebte. Im Mai 2025 unterschrieb er beim Konkurrenten – „Verrat“ war damals das mildeste Wort in den Foren. Claus-Dieter Wollitz suspendierte ihn, die Kurve verbrannte sein Trikot, und aus einem Idol wurde ein „Rostocker“. Nun kehrt er zurück – nicht als Heimkehrer, sondern als Feindbild. Wollitz sagt lapidar: „Für mich ist das Thema erledigt.“ Die 19 000 im Stadion werden ihm ein gegenteiliges Lied lehren.
Die Zahle, die alles erklärt: Hansa holte aus den letzten beiden Spielen sechs Punkte, kletterte auf Rang vier und ist nur drei Zähler hinter Cottbus entfernt. Die Lausitzer holten vier Punkte aus der Doppelbelastung, doch Moritz Hannemann fehlt gelbgesperrt, und Axel Borgmann sowie Tolcay Cigerci sind nur Fragezeichen. Die Lücke rechts außen könnte Henry Rorig füllen – nach einer Virusinfektion, die ihn die Woche lahmlegte.

Die polizei plant schon fürs finale
2 000 Rostocker reisen an, 400 Beamte ebenfalls. Die Begegnung gilt als Hochrisikospiel Stufe 4 – mehr gibt es in der 3. Liga nicht. Doppelt so viele Hundestaffeln wie sonst, ein Helikopter kreist, und in den U-Bahn-Stationen werden Alkoholkontrollen durchgezogen. Die Lage ist angerissen, nicht nur wegen Krauß, sondern weil beide Klubs wissen: Wer hier verliert, rutscht vielleicht aus den Aufstiegsrängen – und die Saison ist erst elf Spieltage vor dem Ende zu lang.
Die letzte Begegnung endete 0:0, damals pfiff der Schiri zweimal Elfmeter zurück, we die Kurve Feuerwerkskörper zündete. Die Erinnerung schwelt, die Rivalität ist echt. Für Cottbus geht es um Revanche für den verpatzten Aufstieg 2025, für Rostock um die Rückkehr in die zweite Liga, die seit fünf Jahren verwehrt bleibt. Beide Trainer vermeiden das Wort „Endspiel“, doch jeder Satz klingt wie eine Wettschuld.
Am Ende zählt nur, wer den Kopf einzieht, wenn am Samstag 14 Uhr der Schiri pfeift. Die Fans werden sich erinnern, egal wie das Spiel endet. Und Maximilian Krauß? Er wird auflaufen. Ob er jubelt, wenn er trifft, will er nicht sagen. Die Antwort liegt im Stadion – und die wird laut.