Como erfindet sich für roma neu – diao als joker, fabregas schwört auf bombonera-effekt
Stadio Sinigaglia wird zur Glutwand. 10.500 Tickets weg, ein Stadion so voll wie seit Jahren nicht. Cesc Fabregas hat das vorhergesagt, er nennt es „Bombonera“, weil Como gegen Roma nicht nur ein Champions-League-Viertelfinale ist, sondern ein katalytischer Moment für einen Klub, der sich nach dem Aufstieg neu erfindet.
Diao ist der geheime trumpf
Die Bombe steckt in der Hinterhand: Moutir Chiekh „Diao“ Sanó. Noch keine 90 Minuten in den Beinen, dafür ein halbes Jahr Frust im Nacken. Fraktur, Reha, Muskelzuverlässigkeit – die Crystal-Muschel-Story. Fabregas wird ihn nicht von Anfang an bringen, aber er wird ihn bringen. Diao selbst hat sich in den letzten Trainingstagen mit Extra-Sprints in Szene gesetzt, die medizinische Abteilung gab grünes Licht, der Sturm auf die Roma-Kette wird über die linke Seite kommen, wo Vojvoda die Lücke für einen Double-Impact mit Baturina öffnet.
Como kann es sich leisten, zu warten. Die Alternative wäre Sergi Roberto als Sechser, was wiederum Perrone freigibt – falls der Argentinier die Schrecksekunde von Cagliari weggesteckt hat. Hinten bleibt die Frage offen, ob Jesus Rodriguez auf links rückt und Baturina ins Zentrum rutscht. Fabregas liebt diese Flexibilität, er nennt es „Tactical Jazz“, weil jeder Spieler zwei Rollen beherrscht und die Gegner nur raten können, wann der Rhythmus umschlägt.

Roma reist mit zwei geheimnissen
Gasperini trägt zwei System-Tüten im Handgepäck. Variante eins: Pellegrini höher, Cristante als falsche Neun, Koné vor der Abwehr. Variante zwei: Vaz neben Malen, Pisilli raus, Cristante rückt zurück. Die Entscheidung fällt heute Vormittag im Probelauf im Hotel Barchetta Excelsior, wo Koné seine Wade noch einmal auf Belastung testet. Die Franzosen-Klausel lautet: nur wenn er 100 % gibt, gibt es die Doppelspitze, sonenst bleibt die Sicherheitsvariante mit drei zentralen Mittelfeldakteuren.
Hinten muss Ndicka fehlen – Gelb-Modus statt Verteidiger-Kettenreaktion. Mancini rückt in die Mitte, Ghilardi übernimmt rechts, Hermoso bekommt wieder Paz an die Stiefelspitze. Wer denkt, dass Como letztes Jahr mit dem 2:0 im Nachspielzeit nur Glück hatte, vergisst die Statistik: Seit dem Aufstieg hat Como neun der zwölf Heimspiele nicht verloren, Roma kassierte in dieser Phase in der Fremde 17 Gegentreffer – nur Cagliari war schlechter.
Fabregas’ Credo bleibt unverändert: „Wir spielen Fußball, den andere nicht mal trainieren.“ Er sagt das nicht laut, sondern flüstert es den Kameraleuten zu, die ihn auf dem Platz zwischen Trainingshütchen und Physio-Band verfolgen. Die Kamera fängt ein, wie er Diao auf die Schulter klopft – zwei Outcasts, die sich in 18 Minuten ein ganzes Jahr erklären können. Wenn der Sinigaglia gleich kocht, wird diese Geste die Richtung vorgeben.
