Como 1907 schreibt fußball-geschichte: europacup nach 117 jahren

Ein Linksschuss von Jorgos Douvikas in der 88. Minute reichte. Mit dem 1:0 im Bentegodi verwandelt sich das Stadio in eine Zeitkapsel: Como 1907, vor acht Jahren noch in der vierten Liga, ist erstmals für Europa qualifiziert. Die Lombardei jubelt, der Rest Italiens kneift sich in den Arm.

Vom serien-aufsteiger zum serien-störenfried

Die Kurzfassung klingt wie ein Märchen: Absturz, Neugründung, Durchmarsch. Doch wer die Zahlen auf den Tisch legt, erkennt ein Drehbuch aus Glas und Stahl. 2017 kaufte Akosua Puni Essien, Ehefrau von Michael Essien, den maroden Klub für läppische 230.000 Euro. Die Schulden blieben, die Lizenz nicht. Como rutschte in die Serie D – für viele das Todesurteil.

Die Rettung kam in Anzügen statt Fußballstiefeln: Massimo Nicastro und Roberto Felleca übernahmen die Trümmer, ehe sie 2019 das Londoner Unterhaltungsimperium Djarum Group an Bord holten. Die Brüder Hartono, Indonesiens reichste Milliardäre, schrieben keinen Blanko-Check, sondern einen Businessplan: keine Galáctico-Transfers, sondern Infrastruktur, Daten, Nachwuchs. Resultat: zwei Aufstiege in vier Jahren, 2021 Rückkehr in die Serie B, 2024 direkt wieder in die Serie A.

Cesc fàbregas setzt auf hirn statt harakiri

Cesc fàbregas setzt auf hirn statt harakiri

Als Cheftrainer holten die Investoren keinen italienischen Feuerteufel, sondern Cesc Fàbregas, 37, frisch vom Ballgewöhnen beim FC Chelsea U21. „Ich wollte kein Projekt, ich wollte ein Labor“, sagt der Spanische Taktikfuchs. Statt namenloser Leihgaben lotste er Talente wie Nico Paz (6 Mio. Ablöse vom Real Madrid) an den Lago di Como. Paz lieferte sofort 7 Scorerpunkte, Douvikas und Belotti sorgten für Doppelschlag. Die Folge: Platz zehn in der Debüt-Saison, ohne jemals ernsthaft den Blick auf die Abstiegszone richten zu müssen.

110 Millionen transfers und ein blick nach vorn

110 Millionen transfers und ein blick nach vorn

Diese Sommertransferperiode war der Clou: Netto-Investitionen von 110 Millionen Euro – nur Juventus, Inter, Mailand, Neapel und Roma gaben mehr aus. Dafür kamen Jesús Rodríguez, Kühn, Baturina und Addai. Keine Stars, aber Marktwert-Turbos. Como ist aktuell Sechster mit 65 Punkten, drei Zähler hinter Juve. Noch zwei Spiele, Parma und Cremonese – beide im unteren Tabellendrittel. Fàbregas’ Kommentar nach dem Verona-Sieg: „Ich erinnere mich nicht an Trophäen, ich erinnere mich an Nächte wie diese. Lassen wir das Flugzeug noch ein wenig höher steigen.“

Die Fans haben schon jetzt ihr Denkmal gesetzt: ein riesiges Tuch über der Nordkurve – „Dall’Inferno all’Europa“. Vom Fegefeuer nach Europa. Keine Floskel, sondern Fakt. Und weil der Klub nach UEFA-Regularien erst 2027 voll lizenzfähig ist, dürfte die Jungfernfahrt in der Conference League starten. Egal. Hauptsache, sie fliegt.