Cobolli trägt hulk auf der haut – und jetzt die top 10 im visier
- Ein tattoo als erinnerung an die eigene wildheit
- Cement war sein angebliches tabu – bis acapulco
- Training mit alcaraz kostet extrakraft – und bringt extra-erkenntnis
- Team bleibt familie – plus zwei neue profis
- Italiens achter in der elite – und der erste mit florentiner herkunft
- Die top 10 rückt in reichweite – doch der plan bleibt stück für stück
Flavio Cobolli geht mit einem grünen Riesen auf der Haut und einem noch größeren Ziel im Kopf in die Saison: Platz 10. Der 23-jährige Italiener, seit Montag auf Position 15 der ATP-Weltrangliste, hat in Acapulco die Sinneswandel vollzogen – vom verlorenen Jahresauftakt zum ersten ATP-500-Titel auf Hartplatz.
Ein tattoo als erinnerung an die eigene wildheit
Die Tinte auf seiner rechten Oberschenkelmuskulatur zeigt Hulk. Nicht als Comicfigur, sondern als Versprechen. „Er erinnert mich daran, wer ich bin: stark, unbeirrbar, ein Kämpfer“, sagt Cobolli im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Nach der 0-3-Bilanz gegen Frances Tiafoe schaltete er in Mexiko endlich auf Rache-Modus. 7-5, 6-4 im Finale – sein erster Sieg gegen den US-Amerikaner, sein dritter ATP-Titel insgesamt und der erste außerhalb Europas.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 17 Matchgewinne, nur drei Niederlagen seit dem 1. Februar. Die Leistungskurve zeigt senkrecht nach oben, und das, wo viele Experten ihm nach den Australian-Open-Pleiten bereits den Saisonabstieg zugetraut hatten.

Cement war sein angebliches tabu – bis acapulco
Jahrelang hieß es: Auf Hartplatz könne Cobolli seine Schläge nicht durchsetzen. Dabei hatte er seine besten Indoor-Matches gerade dort gespielt – etwa gegen Jannik Sinner in Wien. „Ich habe verstanden, dass ich auf jeder Oberfläche gefährlich bin, wenn ich mein Spiel durchziehe“, erklärt er. Die interne Analyse des italienischen Verbands bestätigt es: Seine Gewinquote auf Hardcourt kletterte von 58 % (2024) auf 71 % (2026).
Die Frage nach der Top 10 ist damit kein frommer Wunsch mehr, sondern reine Mathematik. Sollte er in Indian Wells und Miami jeweils das Halbfinale erreichen, wäre Rang 8 realistisch. „Ich will nicht reden, ich will punkten“, sagt er knapp.

Training mit alcaraz kostet extrakraft – und bringt extra-erkenntnis
Im Dezember flog Cobolli nach Murcia, um eine Woche mit Carlos Alcaraz zu trainieren. Kein PR-Termin, sondern Selbstversuch auf höchstem Niveau. „Nach jedem verlorenen Satz gab es Strafdienste: Sprints, Medizinball, Core-Circuit. Carlos lacht, während er dich zerlegt – das ist seine Art“, lacht er. Die Bilanz: zwei zusätzliche Kilo Muskelmasse, gesteigerte Schlaggeschwindigkeit (+4 km/h beim Aufschlag) und die Gewissheit, „dass ich mit den Besten mithalten kann“.

Team bleibt familie – plus zwei neue profis
Papa Stefano bleibt Chefcoach, doch 2026 gibt es Verstärkung. Gerardo Brescia, Fitnessexperte des italienischen Verbands, wird an zwölf Turnieren dabei sein. Neu ist auch Reisephysio Fabio Coniglio, der bei allen Masters-1000-Events mit an Bord ist. Budget? „Keine Angaben, aber wir investieren jeden Cent, den wir haben“, sagt Cobolli trocken. Die Kosten für Trainer, Physio und Analytics-Team belaufen sich laut Verbandsangaben auf rund 380.000 Euro pro Saison – ein Betrag, den sich der Familienclan durch Preisgeld und Sponsoren finanziert.

Italiens achter in der elite – und der erste mit florentiner herkunft
Mit Rang 15 rückt Cobolli in den Kreis der italienischen Top-15-Spieler im Open Era ein. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who: Sinner (1), Panatta (4), Musetti (5), Berrettini (6), Barazzutti (7), Fognini (9), Bertolucci (12). Cobolli ist der Jüngste und der Einzige, der in Florenz geboren wurde – eine Fußnote, die in der Tennis-Heimat keine Rolle spielt, auf dem Bello Piazza-Club jedoch höchst relevant ist.
Seine Freundin Matilde reiste erst in der Acapulco-Woche ein. „Sie bringt mir keine Energie, sie bringt mir Ruhe. Und das brauche ich, denn ich bin ein Selbstzünder“, sagt er. Auch Bruder Edoardo und Eltern Stefano und Rosaria flogen kurzfristig nach Mexiko. Das Familien-Ticket kostete laut Cobolli „ein paar tausend Euro, aber das Gefühl, gemeinsam auf dem Centre Court zu stehen, ist unbezahlbar“.
Die top 10 rückt in reichweite – doch der plan bleibt stück für stück
Indian Wells, Miami, Monte Carlo, Rom – vier Turniere, vier Chancen auf Punkte. Für die Top-10-Ränge braucht er rund 1.800 Punkte zusätzlich. „Ich rechne nicht, ich spiele“, sagt er. Dennoch: Sollte er in Indian Wells das Viertelfinale erreichen, wäre beim Masters in Rom bereits das Achtelfinale nötig, um die 3.200 Punkte-Marke zu knacken. Eine Hürde, die angesichts seiner aktuellen Form nur noch Formsache scheint.
Und das Tattoo? „Bleibt. Hulk passt zu mir – grün, wütend und bereit, alles zu zerquetschen, was mir im Weg steht.“ Die nächste Gelegenheit dazu gibt es schon in der Wüste von Kalifornien. Wer ihm dann begegnet, sollte besser seine eigenen Muskeln einsetzen – sonst wird der Hulk auf der anderen Seite des Netzes zum Problem.
