Cleveland schmiedet im takt: harden, schröder & co. blaseneue finals-attacke
Niemand glaubte mehr daran, als sie zu Weihnachten bei 15-14 steckten. Drei Monate später fallen die Cleveland Cavaliers mit dem Schwung einer Off-Broadway-Premiere in die Playoff-Heimspur – und die Hauptdarsteller heißen James Harden, Dennis Schröder, Jarrett Allen und ein 45-Prozent-Dreier-Scharfschütze, den selbst Insider erst vor Wochen noch für einen G-League-Trip hielten.
Die harden-formel: erst gucken, dann entfesseln
Anders als in L.A. schaltet Harden sofort runter, sobald er den Ball abgibt. Seine Usage-Rate fiel von 29 auf 23 Prozent, seine Assists kratzen trotzdem an der Acht – und das bei nur 19,3 Punkten, weil er lieber den richtigen Moment abwartet. Gegner verloren schon gegen die Hornets, Denver und Detroit, konnten nicht mal in der 2-for-1-Phase mithalten. Die „Flitterwochen“ also, die GM Koby Altman nach dem Garland-Trade befürchtete, mutieren zur Dauershow, weil Harden – typisch – zuerst Zubac, nun Allen unter die Arme greift. 72,5 Prozent Field-Goal seit dem Trade für den Center? Kein Zufall, sondern ein Spiegel von Hardens liebster Eigenheit: Er macht andere besser, bevor er sich selbst inszeniert.

Schröder & ellis: kleine deals, große biester
De'Andre Hunter raus, zwei deutsche Nationalspieler rein – so lautete die Nebenrechnung. Schröder zog gegen Detroit in den letzten fünf Minuten alleine drei Mal die Zone auf, versenkte Floater, schaffte 14 der letzten 28 Punkte. Dabei verteidigte er Cade Cunningham so eng, dass der Pistons-Star am Ende den Ball wie einen heißen Kartoffelbeutel weitergab. Keon Ellis lief parallel die härteste Full-Court-Press seit Jahren in Cleveland. Ergebnis: Cleveland erlaubte in den vergangenen zehn Spielen nur 108,4 Punkte pro 100 Possessions – 2,5 weniger als vor dem Trade.

Allen & mobley: zwei zentren, ein auftrag
Kenny Atkinson forderte nach Mobleys Wade-Verletzung „mehr Druck nach oben“. Allen antwortete mit 40 Punkten gegen Portland – und seitdem 19,1 Zähler plus 9,4 Rebounds bei 72,5 Prozent. Mobley kehrte zurück, spielt dieselbe Anzahl Schüsfe wie vorher, aber effizienter dank Hardens frühem Einfluss. Fünf Spiele gemeinsam, 4-1-Bilanz, plus 28,8 Net Rating pro 100 Ballbesitze, wenn Mitchell dazu kommt. Die These, Cleveland besitze zu viele Bigs für moderne Switch-Defenses, verflüchtigt sich, sobald man die Zahlen sieht.

Die letzte hürde: tatum und zeit
Die einzige Niederlage mit komplettem Kader? Boston. Jayson Tatum und Jaylen Brown erzielten 62 Punkte, weil Cleveland auf dem Flügel außer Dean Wade keine Länge hat. Playoff-Vorstellung: Ab Mitte April warten genau diese Matchups. Die Defensive rangiert seit Januar nur auf Platz 14 – ein Makel, der in einer möglichen Eastern-Final-Serie gegen Boston oder Milwaukee blitzartig auffliegen könnte. Dafür besitzen die Cavs nun aber Tiefe und Dreier-Power: Merrill plus Tyson liefern 45 und 44 Prozent jenseits der Linie, nur Kennard und Portis sind besser. Wenn der Ball fliegt, zieht sich die Verteidigung auseinander – und Harden sowie Mitchell haben endlich Laufstegs statt Doppelteams.

Fazit: finals-ticket liegt auf dem tisch
Cleveland hat einen Monat, um die Health-Protocols gegen Knie, Daumen und Leisten zu gewinnen. Klappt das, steht nichts zwischen den Cavaliers und ihrer ersten Finals-Teilnahme seit 2018 – außer der Beweis, dass Physik und Chemie schneller verschmelzen können als jedes Luxtax-Konstrukt. Die Cavs sind nicht nur das teuerste Team der Liga, sondern gerade auch das gefährlichste, weil sie endlich mehrere Wege kennen, um den Korb zu treffen. Und weil Harden wieder einmal bewiesen hat: Er findet den richtigen Pass, bevor die meinen, er würde nur dribbeln.
