Chuck norris: vom karate-olymp zum internet-mythos

1973 trat er im Kolosseum gegen Bruce Lee an – und verlor. 50 Jahre später gewinnt Chuck Norris im Netz längst die Runde, die zählt.

Der tag, an dem der koloss stolperte

Römer Sand, Sonne im Zenit, ein Gong. In „Der Mann mit der Todeskralle“ fliegt Norris in seine erste und einzige Film-Niederlage. Regisseur Lee wollte zeigen, dass Kung-Fu schneller ist als Karate. Die Szene wurde zur Legende, Norris zur Kulisse. Doch das war nur Halbzeit.

Der ehemalige Luftwaffen-Soldat hatte schon 183 Titel gewonnen, bevor er die Flying-Kick-Pranke kassierte. In Wahrheit war er der erste Westler, der in Hongkong als gleichwertiger Partner galt – ein Fakt, der im Film unterging. Lee starb vier Monate nach der Premiere, Norris aber blieb. Und begann, sich neu zu erfinden.

Memes statt muskeln

Memes statt muskeln

2005 tauchte ein Satz auf: „Chuck Norris zählt bis Unendlich – zweimal.“ Innerhalb von 48 Stunden hatte das Forum 4chan 120.000 Postings. Google Trends zeigt einen 3.700-Prozent-Spike für seinen Namen. Der Schauspieler, der nie den Oscar streifte, bekam eine zweite Karriere – als Algorithmus.

Die Pointe: Er selbst lachte mit. Statt sich zu wehren, startete er die Spenden-Site „Kickstart Kids“ und ließ jedes Meme mit seinem Logo versehen. Resultat: 38 Millionen Dollar für Schul-Sportprogramme. Die Community, die ihn zum Running Gag erkor, spendete lieber für seine Stiftung als für politische Kampagnen.

Heute, 24 Stunden nach seinem 84. Geburtstag, dominiert Norris nicht die Leinwand, sondern die Datenströme. Jede Sekunde werden 2.700 Chuck-Fakten gegoogelt. Die meisten stammen nicht von Marketing-Agenturen, sondern von Kids, die seinen Film nie gesehen haben. Der Verlierer vom Colosseum hat das letzte Wort – es lautet: „Refresh.“