Chemnitz zertrümmert eigene taktiktafel – und die saison rutscht weg

Rodrigo Pastore schlägt nicht mehr nur mit der Faust aufs Holz – er zerbricht es. Im zweiten Viertel in Würzburg marschiert der Niners-Coach mit der Taktiktafel in den Huddle, kommt ohne sie zurück. Das Brett liegt verbogen am Boden, das Team liegt bei 10-12 weiter im Play-In-Gefahrenbereich, und die Messestadt diskutiert nicht mehr über Finals, sondern darüber, ob das EuroCup-Achtelfinale gegen Ljubljana nur ein schönes Abstellgleis ist.

Pastore bricht taktiktafel – und die bundesliga-kurve

Die Szene ist ein Mikrokosmos der Saison: Airball-Rebound, sofortiges Turnover, zwei leichte Punkte für Würzburg – Chemnitz antwortet mit einem Drive, bei dem Eric Washington Jr. den Ball verliert. 69:81, die Zahlen wirken harmlos, bis man sich vor Augen führt, dass Chemnitz mit einem Budget jenseits der sieben Millionen Euro gegen einen Funktionärsklub antritt, der mit Hälfte operiert. Die Niners werfen elf Assists, dafür sind Kevin Yebo, Corey Davis und Kostja Mushidi zu gut, zu teuer und zu kurz gekröpft.

Internationale Parallelliga? Vergiss es. Die EuroCup-Teilnahme war ursprünglich als Bonus geplant, wird aber zur Zumutung. Achtzehn Gruppenspiele, Play-off-Hin und -Rück, dazu die dünne Rotation, weil Jonas Richter überraschend seine Karriere beendete, als alle deutschen Top-Talente längst unter Vertrag waren. Roman Bedime und Julian Steinfeld fehlten monatelang, plötzlich reicht eine Achterrotation nicht mehr für zwei Wettbewerbe. Die Folge: Die Niners springen in der BBL von Hoch zu Tief, während sie im EuroCup Konstante zeigen – Konstante gegen Teams, die mit demselben Personalplan arbeiten.

Eurocup-playoff als einzige rettung – oder als feigenblatt

Eurocup-playoff als einzige rettung – oder als feigenblatt

Heute Abend in der Arena treffen sie auf Olimpija Ljubljana, ABA-Liga-Primus mit Budget plus Champions-League-Erfahrung. Chemnitz aber hat den Vorteil des One-Game-Walks: Ein Match, ein Sieg, ein Weiterkommen. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Mushidi, und genau das macht die Niners in solchen Momenten gefährlich. Sie schlugen Besiktas, sie schlugen Bourg – beide gelten als Titelanwärter. Doch die Frage bleibt: Wenn die Taktiktafel schon in Würzburg kapituliert, was passiert, wenn Ljubljana einen 12-2-Run startet?

Pastore spricht von Vertrauen, Co-Trainer Gjorgji Kochov von „jedem Spiel wie ein Finale“. Die Realität lautet: Chemnitz hat die Play-Ins noch nicht sicher, die Fans fordern Konstanz, und die Verantwortlichen wissen, dass ein früher EuroCup-Abstieg die Saison endgültig in den Krisenmodus schickt. Die Saison ist nicht mehr jung, die Verletzten kehren zurück, Ausreden gibt es keine. Wenn heute Nacht die Sirene ertönt, muss nicht nur die Taktiktafel heil bleiben – sondern die ganze Saison.