Chaos vor dem tor: milan-angriff ohne plan, ohne zukunft

Drei Tore in elf Spielen, ein Zimmer voller Verletzter und fünf Stürmer, von denen keiner sicher ist, dass er morgen noch dabei ist – der AC Mailand schaut in der Offensive auf ein Trümmerfeld, das tief bohrt.

Allegri verzockt sich an seiner eigenen taktik

Die 0:1-Pleite gegen Lazio war keine Laune der Statistik, sondern die logische Folge eines Angriffs, der seit Wochen nicht mehr als Zufall funktioniert. Trainer Allegri hatte die Roma-Elf aufgerückt, das Mittelfeld höher postiert, wollte Druck machen – doch genau das brach das System. Die Abwehr wirkte entblößt, die Umstellungsspiele fielen aus, und vorne standen fünf Einzelschicksale, die sich gegenseitig nicht finden.

Füllkrug, Gimenez, Leao, Nkunku, Pulisic – klingt nach Luxus, ist in Wahrheit ein Baukasten mit fehlenden Anleitungen. Der deutsche Neuzugang laboriert an der Sprunggelenks-Inflammation, Gimenez kämpft mit der Kondition, Leao pendelt zwischen Genie und Größenwahn, Nkunku wartet auf den Durchbruch und Pulisic trägt die Last der US-Auswanderung allein.

Vertragsfrust und wechselgerüchte lähmen das klima

Vertragsfrust und wechselgerüchte lähmen das klima

Im Hintergrund ticken Zeitbomben. Leaos Berater pocht auf die Ausstiegsklausel, Gimenez’ Leihverein Leeds will zurück, Nkunkus Berater flirrt mit Paris, und Pulisic fordert ein Konzept, das über Einzelaktionen hinausgeht. Sportdirektor Cardinale sitzt zwischen den Stühlen: Verkaufen, um Kasse zu machen? Oder halten und das Risiko eingehen, dass sich die Querelen weiter fressen?

Die Zahme Heimstatistik spricht Bände: Milan erzielte in den letzten sieben Heimspielen nur fünf Tore – drei davon aus Standards. Die restliche Offensive kommt aus der zweiten Reihe oder per Elfmeter. Kein einziger Treffer resultierte aus einem konsequent herausgespielten Angriff über die Außen. Das ist für einen Klub mit Champions-League-Anspruch ein Offenbarungseid.

Die lösung? wahrscheinlich ein neuanfang ohne stars

Die lösung? wahrscheinlich ein neuanfang ohne stars

Allegri fordert intern „eine kleine Revolution“, doch der Kader ist verzahnt wie ein Puzzle aus drei verschiedenen Spielen. Wer rausfliegt, bestimmt sich nicht mehr nach Marktwerten, sondern nach Einsatzbereitschaft. Die nächsten 14 Tage entscheiden, ob Milan im Sommer zwei, drei oder alle fünf Stürmer ersetzt. Die Bosse haben den Scouts bereits die Liste mit Alternativen auf den Schreibtisch gelegt – Namen, die keine Galavorstellungen versprechen, dafür aber Laufwege und Pressing.

Die Saison ist noch nicht verloren, der Champions-League-Platz nur zwei Punkte entfernt. Doch wenn der Angriff weiter nur auf dem Papier brilliert, wird Mailand nicht nur Spiele verlieren, sondern auch Identität. Der Klub, der einst mit Shevchenko und Inzaghi die Nacht in Flammen setzte, muss heute darüber nachdenken, ob er mit Leao und Co. überhaupt noch in die Zukunft starten will. Die Antwort dürfte weh tun – und sie wird kommen, bevor das letzte Tor fällt.