Castrop trifft doppelt, weint trotzdem: 3:3 im derby war zu wenig
Ein Mann, zwei Tore, Tränen in der Kabine. Jens Castrop hat das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln auf seine Fußspitzen gezimmert – und ist trotzdem der Held mit dem kaputten Schuh. Das 3:3 reichte nicht, um die Borussia aus dem Tabellenkeller zu katapultieren. Castrop selbst nagelte sich mit einem Blitztor und einem Traumtreffer ins Derby-Gedächtnis, verließ aber mit nacktem Fuß und zerrissenem Schuh die Arena.
Der schuh, der den fußballschreiber umdrehte
Kevin Diks polierte nach dem 3:2 das rechte Streichholz seines Kollegen, als wäre es ein Relikt. Dabei war Castrop Sekunden zuvor fast ausgewechselt worden. Ein Foulspiel, ein Schlag auf die Sohle, Schmerz, der bis in die Seele zieht. „Brutal ekelhaft“, sagt er, „als ob jemand die ganze Zeit in den Fuß sticht.“ Lukas Ullrich war bereits zum Aufwärmen bereit, doch Castrop schüttelte sich durch, biss auf die Zähne und schlenzte den Ball mit dem angeschlagenen Fuß in den Winkel. Torjubel, Derby-Echo, aber keine Siegespose.
Die Zahlen sind hart: zwei Tore, ein Assist – und trotzdem nur ein Punkt. Die Borussia bleibt Vorletzte, der FC hält Distanz. Castrops Leistung war ein Solo gegen die Statistik. „Ich kann mich gar nicht richtig freuen“, sagt er, während nebenan die Kölner Hymne drohnt. Die eigene Jugend verlassen, beim FC aussortiert, nun zurück mit dem Stempel des Matchwinner – und dennoch der Verlierer.

Der nationalspieler mit dem blauen zeh
In der Mixed Zone steht er barfuß, rechts nur noch der Schuh in der Hand, links der Blick nach vorn. Südkorea ruft, die asiatische Qualifikation wartet. Castrop nickt: „Das Problem sollten wir schnell in den Griff bekommen.“ Kein Drama, nur nüchterne Selbstdiagnose. Die Reise geht weiter, der Schuh landet wohl im Museum der verpassten Siege. Die Saison ist noch lang, der Keller eng, aber Castrop hat bewiesen: Er trägt Gladbach auf den Sohlen – auch wenn die Sohle gerade blutet.
Nach der Länderspielpause kommt Heidenheim. Dann zählt kein Traumtor mehr, nur noch die reine Punkte-Mathematik. Castrop wird laufen, bis der Schuh wieder ganz ist und die Borussia endlich ganz oben steht. Der Derby-Tag ist Geschichte, die Zukunft beginnt mit einem blauen Zeh und einem Punkt, der wie Niederlage schmeckt.
