Tjark ernst packt aus: warum hertha den aufstieg verpasst und warum er trotzdem bleibt
Tjark Ernst ist der beste Torwart der 2. Bundesliga – und trotzdem wird Hertha BSC nicht aufsteigen. Im Gespräch mit Sport1 erklärt der 23-Jährige, warum die Alte Dame gegen Schalke und Darmstadt den Faden verlor, wie sein Vater ihm den Druck nimmt – und warum er trotz Anfragen aus der Premier League lieber in Berlin bleibt.
Die wahrheit über die verlorenen aufstiegsduelle
„Wir waren die bessere Mannschaft“, sagt Ernst über das 1:2 gegen Schalke und das 1:1 in Darmstadt. „Aber besser sein reicht nicht, wenn man die Punkte liegenlässt.“ Die Zahlen sind gnadenlos: In fünf Spielen gegen direkte Konkurrenten holte Hertha zwei Zähler. „Das ist keine Formfrage, das ist Kopfsache. Wir haben den Sparer nicht zugemacht.“
Trainer Stefan Leitl sagte öffentlich, die Tür zum Aufstieg sei „zu“. Ernst widerspricht – halb. „Jeder, der hier unterschreibt, muss den Anspruch haben, aufzusteigen. Aber wenn du in der 89. Minute in Bielefeld den Ausgleich kassierst, bist du selbst schuld. Dann kann dir keiner erzählen, dass der Druck zu groß war.“

Vater als anti-druck-ventil
Sein Vater Uwe Ernst stand 312 Mal in der Bundesliga zwischen den Pfosten. „Der größte Kritiker ist er nicht“, lacht Tjark. „Auf Druck von zu Hause habe ich nie gespielt. Das ist mein Luxus.“ Stattdessen bekommt er nach schlechten Spielen eine WhatsApp mit einem einzigen Emoji: 🧘. „Das bedeutet: Atmen, vergessen, weitermachen.“
Diese Ruhe zahlt sich aus. Mit 11 Weißen Westen teilt sich Ernst aktuell Platz 1 der „Zu-Null“-Statistik – mit Loris Karius und Marcel Schuhen. „Ich gucke nicht jede Woche, wer vorne liegt“, sagt er. „Aber wenn am Ende mein Name oben steht, nehme ich das mit – als Side-Fact für die Ewigkeit.“

Premier league? erstmal berlin bis 2027
Scouts aus England haben bereits angeklopft. Ernst hat abgewinkt. „Ich habe hier Vertrag bis 2027 und fühle mich pudelwohl. Warum sollte ich weg, wenn der Klub gerade wieder Boden unter den Füßen bekommt?“ Hertha werde „auf jeden Fall der erste Ansprechpartner“ bei einer Weiterverlagerung. „Aber ich bin 23. Ich habe Zeit. Und ich habe hier noch was zu retten.“
Sein Traum: „Eines Tages im Tor der Nationalmannschaft zu stehen.“ Dafür muss Hertha wieder in die 1. Liga. „Die Rechnung ist simpel: Wenn wir oben spielen, bin ich automatisch auf dem Schirm. Und wenn ich dann noch so pariere wie gegen Kaiserslautern im Pokal, kommt das DFB-Debüt von ganz allein.“
Bis dahin trainiert er weiter – mit 🧘-Emoji im Hinterkopf.
