Castro droht ermüdung – odgaard rückt ins sturmzentrum vor
Sechs Spiele in Folge von Anfang an – Vincenzo Italiano fürchtet, dass Santiago Castro bald knackt. Darum rotiert der Bologna-Trainer durch. Nächster Mann im Revolver: Jens Odgaard. Dänischer Stürmer, italienisches Drama, ein Tag bis Verona.
Warum odgaard plötzlich wieder „neun“ spielt
Der Plan war klar: Castro als Dauerbrenner, Dallinga als Konterpart. Doch der Holländer laboriert an Adduktoren, trainierte gestern separat. Seine Einsatzchance wird erst am Samstag entschieden – kurz vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Roma. Italiano will keine Risiken eingehen.
Also blättert er im Sturm-Kalender zwei Jahre zurück. Dort steht: Odgaard, Inter-Jugend, Sassuolo, Pescara, Az Alkmaar – überall die Nummer 9. Thiago Motta bügelte ihm die Flügel an, Italiano verpasste ihm die Freiheit hinter der Spitze. Daraus wurde der „Jolly“-Offensivmann. Nun droht die Rückkeur zur reinen Kreiselfunktion.
Castro selbst hat sich diese Serie erkämpft: fünf Siege nacheinander, zwei Tore, unzählige Gegner in die Taschen gesteckt. Doch die Belastungskurve zeigt nach oben – 540 Minuten in 18 Tagen. Italiano: „Bei dieser Minutezahl fürchte ich eine Zerreißung.“

Der dritte weg: odgaard als notnagel und strategie
Gegen Turin kam er schon einmal als Pseudo-Stürmer, gegen Brann ebenfalls. Die Statistik: 67 Minuten, ein Tor, drei Schussvorlagen. Kleine Probe, große Wirkung. Bolognas Sportdirektor Sartori hatte Immobile nicht ersetzt, weil er Odgaard intern als Backup wertete – diese Rechnung zahlt sich jetzt aus.
Verona wird also zur Schaltzentrale: Siebt-Mal-Castro von der Bank? Oder Odgaard als zeitliche Kapsel, die direkt in die Roma-Woche mündet? Italiano schwieg nach dem Training lange, dann nur ein Satz: „Jens lacht immer, aber er versteht den Moment.“
Und der Moment sagt: Bologna braucht einen frischen Körper vor dem Europacup-Fegefeuer. Wer sonntags sprintet, bestimmt den Rhythmus von Donnerstag. In dieser Logik ist Odgaard kein Notnagel mehr – er ist Teil der Drehtür, die Italiano seit Wochen im Kopf um sich selbst dreht.
Castro wird sicher nicht vergessen. Er bleibt erste Waffe. Aber selbst Waffen müssen ölen, bevor sie glühen. Und so könnte am Sonntag ein Däne im Mittelpunkt stehen, der einmal als reiner Torjäger begann und nun, zwei Rollenumwandlungen später, genau dorthin zurückkehrt – wo er nie aufhörte, zu Hause zu sein.
