Carmen colino rüttelt an madrids sportpresse: erste frau an der spitze der apdm
Carmen Colino hat heute Morgen die Asamblea General der Asociación de la Prensa Deportiva de Madrid (APDM) mit einem Schlag verändert: Sie übernimmt für vier Jahre das Präsidium – und reißt damit 31 Jahre Männerdomäne ein. Die 51-jährige AS-Chefredakteurin folgt auf José Damián González, der das Amt seit 2013 innehatte.
Ein machtwechsel mit signalwirkung
Colino bringt 30 Jahre Redaktionsluft mit, 22 davon im Real-Madrid-Resort. Sie kennt die Gängeleien von Klub-Pressediensten genauso wie die Balance zwischen TV-Termin und Deadline. „Journalismus ist kein Beruf, sondern eine Leidenschaft“, sagte sie nach der Wahl – und meinte damit wohl auch: Ich kenne eure Tricks, ich habe sie selbst angewandt.
Ihre Vizepräsidenten Juan Gato, Paco García Caridad und Fernando Peinado stehen für Radio, TV und Datenanalyse. Hinter den Kulissen sickert durch: Colino wolle die APDM aus dem Vereinsstuben-Modus katapultieren. Konkret heißt das: gemeinsame Vertragsverhandlungen mit Streamingdiensten, ein eigenes Fortbildungsbudget für Podcast- und TikTok-Formate sowie ein hartes Monitoring von Pressefreiheitsverletzungen bei Sportevents.

Die kampfzone heißt jetzt digitale souveränität
Die neue Generalsekretärin Julia del Mar Cortezón (MARCA) soll die Klubs an die Kandare nehmen: Wer Presseplätze nur gegen Story-Abdrucke vergibt, fliegt aus dem offiziellen Verteiler. Tesorera Maite Martín (AS) kann dagegen auf eine Excel-Liste setzen, die zeigt: Madrid spart sich durch Freelancer-Ausbeutung rund 1,3 Millionen Euro jährlich. Die Rechnung will sie den Vereinen vorlegen – mit Frist.
Colinos wahre Prüfung beginnt am 14. Juli: Dann tagt erstmals das „Consejo Superior de Deportes“ unter neuer Führung. Thema: Akkreditierungsrichtlinien für die Saison 2024/25. Dort wird sie nicht nur Frauenanteile einfordern, sondern auch klare Regeln gegen Diskriminierung von Journalistinnen bei Mixed-Zone-Zugängen. Ihr Credo: „Wenn der Rasen nicht öffnet, öffnen wir eben die Kasse – mit Klagen.“
Mit 28 von 32 Stimmen gewählt, verfügt sie über ein Mandat, das sich nicht in Wohlgefallen auflösen wird. Denn die APDM zählt nur 340 Mitglieder, doch ihre Netzwerke reichen bis nach Tokyo. Dort lud man sie 2019 ein, über spanische Sportkultur zu dozieren. Nun kehrt sie mit einem Japan-Deal zurück: Fuji TV will exklusive Madrid-Content-Lizenzen – und Colino will Gegenleistungen: mehr Startplätze für spanische Sportjournalistinnen im asiatischen Markt.
Um 12:47 Uhr verließ sie die Colegio de Médicos, umringt von Fotografen. Kein Champagner, kein Sektempfang. Stattdessen ein Satz, den niemand erwartete: „Ich habe keine Zeit zu feiern, ich habe eine Redaktion zu erneuern.“ Dann stieg sie in ein Taxi Richtung AS-Redaktion. Der Fahrer kannte sie nicht. In vier Jahren wird er es – oder sie liest seine Kolumne.
