Cantarutti hätte geschichte schreiben sollen – der schiri warf die bombe

Aldo Cantarutti stand mit dem Rücken zum Tor, ein großer Mann in einem Meer von Beinen, als der Ball vom Himmel fiel. Er stoppte ihn mit der Brust, einmal, zweimal – dann flog er wieder hoch, ein verrückter Gedanke formierte sich in seinem Kopf. Die Kurve des Cibali-Stadions in Catania hielt den Atem an. Sekunden später lag der Ball im Netz, Cantarutti drehte sich ab, die Arme schon oben. Dann kam der Pfiff.

Der treffer, der nie zählte

Schiedsrichter Benedetti hob die Arme, doch nicht zum Torjubel – er entschied auf „gefährliches Spiel“. Cantarutti war noch in der Luft, als das Stadium explodierte. Orangen, Feuerzeuge, Steine flogen auf den Rasen. Die Menge tobte, die Spieler wichen zurück, die Polizei formierte Ketten. Was hätte das erste Play-off-Tor der Serie B in der 89. Minute werden können, wurde zur Zündung eines Krieges.

Die Bilder gingen durch Italien. Cibali, sonst ein idyllisches Stadion am Fuße des Ätna, verwandelte sich in eine Festung. Die Ordner zogen sich zurück, die Ultras stürmten die Laufstege. Die Partie wurde für 28 Minuten unterbrochen, die Spieler in die Kabine eskortiert. Als sie zurückkamen, war Cantarutti bleich. „Ich habe nur den Ball getroffen“, sagte er später, „nicht den Mann.“

Nachspiel mit folgen

Nachspiel mit folgen

Der Verband ließ die Wertung bestehen – 0:0. Cibali bekam zwei Heimspiele Strafe, Benedetti wurde für den Rest der Saison freigestellt. Cantarutti? Der ging in die Geschichte ein als der Stürmer, der das Unmögliche traf und trotzdem leer ausging. „Manchmal ist Fußball kein Sport, sondern ein Gericht“, sagte sein Trainer. Die Saison endete für Catania mit dem bitteren Abstieg – um drei Punkte.

Heute, 35 Jahre später, erzählt man sich in den Bars von Catania noch immer, wie nah Cantarutti der Heldenstatus war. Der Ball war drin, das Tor aber nicht. Manchmal zählt im Leben nicht das, was passiert – sondern das, was ein Schiri daraus macht.