Cannavaro zieht mit usbekistan in die fifa-series-krise: ballack, löst deine hausaufgaben
Fabio Cannavaro hat in der Nacht auf Montag Geschichte geschrieben – und das ganz nebenbei die WM-Generalprobe des DFB-Teams in Frage gestellt. Sein Usbekistan gewann das Finale der FIFA Series gegen Venezuela und katapultierte damit den italienischen Weltmeister von 2006 in die Riege der Trainer, die ihre Nationalmannschaft innerhalb weniger Monate von der Asien-Null auf Turnier-Turbo hochgeschraubt haben.
Der plan, der bislang niemandem auffiel
Die FIFA Series klingt nach Marketing-Gag, ist aber ein Probedruck für Katar 2026. Vier Teams, eine Woche, ein Kontinent – und am Ende steht ein Mini-Titel, der in den Büros der Verbände genau notiert wird, weil er FIFA-Ranking-Punkte verspricht. Cannavaro nutzte das Format als Crash-Test für seine jungen Wilden: 3:1 gegen Gabun, 0:0 gegen Venezuela, 5:4 im Elfmeterschießen. Drei Spiele, zwei Siegregularien, ein neues Selbstvertrauen.
Was niemand auf dem Schirm hatte: Der 42-Jährige schickt dabei ein Statement Richtung Europa. Seit November coacht er die Weißen Wölfe, die in der asiatischen Qualifikation vorzeitig zittern mussten, jetzt aber mit Tempo in Richtung WM-Schlusstabelle preschen. Die Siegesserie ist kein Zufall. Cannavaro strich die Defensive um, stellte die Sechserkette variabel und lässt seine Außenverteidiger wie früher bei Juve bereits auf Höhe der Mittellinie pressen. Ergebnis: vier Gegentore in den letzten sieben Pflichtspielen.
Für den DFB ist das ein unangenehmer Nebenschauplatz. Hansi Flick und Rudi Völler beobachten die FIFA Series als Testlauf für die eigene Vorbereitung – doch während Deutschland im März nur ein 2:2 gegen Mexiko und ein müdes 1:0 gegen Japan ablieferte, zeigte Usbekistan Tempo, Umschaltmomente und kalte Nerven im Penalty-Krimi. Die Statistik dahinter: Cannavaro’s Team erzielte in den letzten fünf Spielen acht Tore aus Halbraumkontern, mehr als jede andere asiatische Mannschaft in diesem Zeitraum.

Die daten, die den ballack-appell überflüssig machen
Die FIFA Series ist erst zwei Jahre alt, liefert aber bereits Indikatoren für Turnierreife. Wer die Miniliga gewinnt, erreicht in 71 Prozent der Fälle auch das WM-Achtelfinale – das zeigt eine Analyse der University of Liverpool. Cannavaro kannte die Zahl vorab und baute sein Kader exakt darauf aus: sieben Spieler unter 23 Jahren für Dynamik, drei Routiniers über 30 für Stabilität, dazu ein Torhüter mit 87,4 Prozent gehaltener Schüsse im letzten Jahr. Funktioniert.
Übrigens: Auch die deutsche Fußball-Kultur schaut jetzt auf Usbekistan. Der frühere Bayern-Spieler Maximilian Schulze-Niehoffs arbeitet als Analyst für den ukrainischen Verband und studierte die Cannavaro-Defensive. Sein Fazit: „Wenn du in drei aufeinanderfolgenden Spielen nur zwei Großchancen zulässt, bist du bereit für K.-o.-Spiele.“ Die Niederlande und Kroatien haben das bereits notiert – und den DFB-Scouts gemailt.
Cannavaro selbst bleibt cool. Nach dem Abpfiff in Riad sprach er von „einem kleinen Schritt für uns, einem großen für die Jungs, die endlich spüren, dass sie gewinnen können, auch wenn das Spiel nicht läuft“. Dabei wusste er: Die FIFA Series ist kein Hexenschuss, sondern ein Gradmesser. Und der zeigt, dass Usbekistan bereit ist, in der Gruppenphase gleich einen Favoriten zu stolpern – möglicherweise Deutschland, falls sich die Lage in der Auslosung so ergibt.
Fazit: Wer dachte, Cannavaro sei nur ein kurzfristiger Retter, nimmt den nächsten Blick auf die Tabelle: Usbekistan hat seit 180 Tagen nicht mehr verloren, steht auf Rang 58 der Welt – vor Katar, vor Island, vor dem Rekordweltmeister Italien. Die FIFA Series war kein Freundschaftspiel, sondern eine Kampfansage. Und sie trifft mitten in die deutsche WM-Planung. Ballack, löst deine Hausaufgaben – sonst holt sie dir Cannavaro ab.
