Cannavaro schwärmt nach uzbekistan-debüt: "unvergesslicher abend trotz 1:3"
Fabio Cannavaro stand im Mixcoac-Katakomben-Tunnel, die Stimme rau vom Jubel 60.000 kolumbianischer Kehlen dröhnte durchs Beton, und der Weltmeister von 2006 lächelte. „Ich werde diesen 19. Juni nie vergessen“, sagte er, Sekunden nachdem Uzbekistan beim 1:3 gegen Kolumbien eine halbe Welt in Wallung versetzt hatte.
Das ergebnis trügt: nur fünf schüsse aufs tor
Die Zahlen im Liveticker lügen. Drei Tore hinten, nur eine Offensivszene vorn – das klingt nach Debakel. Doch wer das Spiel in der Azteca gesehen hat, weiß: Yusupov im uzbekischen Kasten musste nur fünfmal eingreifen. Fünf! Dafür warfen sich die Weiß-Blau-Roten in jeden Zweikampf, stellten sich Luis Díaz zweimal mit Grätschenbeinen in den Weg und verhinderten eine Schießerei. „Wenn wir früh die Räume verloren hätten, wäre es eine Gala geworden“, analysierte Cannavaro nüchtern. Seine Fünferkette stand wie eine Mauer, nur dass die Mauer manchmal vergaß, wer hinten den Pfosten deckt.
Kolumbien drückte, aber eben nur drückte. Die Südamerikaner spielten sich die Seele aus dem Leib und kamen trotzdem nicht durchs Mittelfeld-Dickicht. Erst als Ashurmatov den Ball zu spät wegschlagen wollte, war Díaz zur Stelle. Dann ein zweiter Konter, diesmal weil die Außenverteidiger zu zentral standen. Tor Nummer drei fiel in der 99. Minute – kaum mehr als Ergebniskosmetik.

„Wir haben gelernt: fehler bestraft der gegner sofort“
Im Kabinen-Gang sprach Cannavaro leise, fast flüsternd. „Ich habe den Jungs gesagt, stolz zu sein. Charakter und Spielidee haben gestimmt“. Die Lektion des Abends: Ein Fehlpass in der Zentrale, und Kolumbien schaltet um wie ein Formel-1-Motor. Die Lösung: Flügelläufe erzwingen und die Linien enger halten. In der Kabine applaudierte der Kapitän, weil die Mannschaft in der zweiten Halbzeit mutiger wurde und sogar den Ausgleich auf dem Fuß hatte.
Die nächsten Gegner heißen Portugal und DR Kongo. „Jetzt können wir mit mehr Gelassenheit ran“, sagt Cannavaro. Seine Augen funkelten. Die Fans in Tashkent und Samarkand feiern trotz Niederlage, weil sie wissen: Dieses Team hat Herz und eine klare Marschroute.
Eine Szene bleibt hängen: Ein uzbekischer Junge weint in der Kurve, kolumbianische Anhänger legen ihm die Flagge über die Schultern. Sport verbindet – auch beim 1:3. „Diese Nacht tragen wir für immer in uns“, sagt Cannavaro. Und meint damit nicht nur sein Team, sondern eine ganze Nation, die zum ersten Mal bei einer WM dabei ist und schon jetzt Geschichte schreibt.
