Wm-euphorie: von südkorea bis katar – wie gastgeberländer geschichte schreiben
Die diesjährige Weltmeisterschaft in Nordamerika erlebt einen fulminanten Start. Mexiko, Kanada und die USA spielen nicht nur stark, sondern entfachen eine nationale Begeisterung, die an frühere WM-Triumphe erinnert. Doch wie haben die Gastgeberländer in der Vergangenheit abgeschnitten und welchen Einfluss hatte ihre Leistung auf das eigene Land?
Ein blick zurück: von überraschungen bis sommermärchen
Die Fußball-WM 1994 in den USA war ein Wendepunkt. Fußball war damals wenig populärer als die Leichtathletik. Die Auflage war an die Gründung einer Profiliga geknüpft. Das Erreichen des Achtelfinals durch die USA war eine Überraschung, das Ausscheiden gegen Brasilien jedoch besiegelte den Beginn einer neuen Ära für den Sport in den Staaten. Die Major League Soccer (MLS) wurde kurz darauf ins Leben gerufen, und Bilder von Alexi Lalas in der Nationalmannschaft wurden zu Kultobjekten.
Frankreich hingegen erlebte 1998 ein Sommermärchen der besonderen Art. Unter der Führung von Zidane und Co. schien das Land wieder vereint. Der WM-Titel war mehr als nur ein Sieg – er war ein Symbol für ein neues Frankreich. Ein Bild von Zidane mit dem Pokal vor dem Arc de Triomphe ging um die Welt.
Die WM 2002 in Japan und Südkorea war geprägt von Überraschungen. Die beiden Gastgeberländer nutzten den Heimvorteil, um sportliche Erfolge zu erzielen. Japan erreichte das Achtelfinale, Südkorea schaffte es sogar bis ins Halbfinale, wo man knapp an Deutschland scheiterte. Es war der Beweis, dass mit Gastgeberländern zu rechnen ist.
Deutschland erlebte 2006 ein Sommermärchen, das das Land in einen Ausnahmezustand versetzte. Trotz der Angst vor einer Blamage spielte sich die Nationalmannschaft in die Herzen der Bevölkerung. Die Fanmeilen erlebten einen ungeahnten Patriotismus. Der dritte Platz war eine riesige Überraschung und ein Grund zur nationalen Freude.

Südafrika, brasilien und russland: höhen und tiefen
Auch wenn Südafrika 2010 trotz Vuvuzela-Support in der Vorrunde ausschied, tat dies keinen Abbruch der Stimmung. Die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent war ein unvergessliches Ereignis. Der fulminante Treffer von Tshabalala im Eröffnungsspiel gegen Mexiko hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Brasilien hingegen erlebte 2014 einen bitteren Tiefpunkt. Die Erwartungen waren enorm, der Druck unerträglich. Das 1:7 gegen Deutschland wurde zu einem nationalen Trauma und demonstrierte, dass zu hoher Druck auch kontraproduktiv sein kann. Die Seleção hatte unter dem Gewicht der eigenen Geschichte zu sehr gelitten.
Russland überraschte 2018 mit mutigem Offensivfußball. Präsident Putin hatte zwar keine großen Erwartungen gehegt, doch das Team schaltete im Achtelfinale sogar Spanien aus. Das Viertelfinalaus gegen Kroatien war bitter, aber die Leistung war eine große Überraschung. Es zeigte, dass auch Außenseiter begeistern können.
Katar hingegen erlebte 2022 ein schwieriges Turnier. Das Ausscheiden ohne Punkt in der Vorrunde war enttäuschend, könnte aber auch den Beginn einer neuen Ära für den katarischen Fußball markieren. Die WM war ein Katalysator für die Entwicklung des Sports im kleinen Golfstaat.

Die zukunft: kanada, mexiko und die usa im fokus
Die WM 2026 in Nordamerika bietet nun die Chance, eine neue Fußballgeschichte zu schreiben. Mexiko hat bereits den Gruppensieg gefeiert und kann sich auf weitere Spiele im legendären Aztekenstadion freuen. Kanada und die USA sind auf dem besten Weg, das Fußballfieber in ihren Ländern nachhaltig zu entfachen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sie an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen können.
Die WM in Nordamerika ist mehr als nur ein Turnier. Sie ist eine Chance, den Fußball in den USA und Kanada zu etablieren und eine neue Generation von Fans zu begeistern. Die Euphorie ist spürbar, die Erwartungen hoch. Ob die Gastgeberländer die Messlatte halten können, bleibt abzuwarten – eines steht jedoch fest: Es wird ein unvergessliches Fußballfest.
