Bronze für worontschichina: russlands medaillen-comeback nach zwölf jahren
Warwara Worontschichina schreibt Geschichte – und das nur 2,47 Sekunden hinter der Weltspitze. Die 23-jährige Russin fuhr in Cortina d’Ampezzo auf Bronze, die erste Medaille für ihr Land bei Paralympics unter eigenem Farbenspiel seit Sotschi 2014.
Die rückkehr, die niemand erwartet hatte
Weil der IPC sie und ihre Teamkolleginnen monatelang blockierte, musste Worontschichina vor dem CAS ziehen. Der Schiedsspruch im Januar verschaffte ihr die Wildcard – und damit die Bühne, auf der sie sich jetzt beweist. Ihre Fahrt in 1:24,47 Minuten war keine Perfektion, aber ein Statement: Russland sitzt wieder am Tisch der Sieger.
Die Konkurrenz ließ sich nicht beeindrucken. Ebba Arsjö verwandelte die Piste in ihr Privatrevier, holte in 1:22,00 Minuten ihre dritte Paralympics-Gold – und bestätigt die Vorhersagen der Weltcup-Statistiker. Die Französin Aurélie Richard landete dazwischen, mit 1,71 Sekunden Rückstand auf Arsjö, aber 0,76 Sekunden vor Worontschichina. Ein Kerzenabstand, der über Monate Trainingsmangel und politischen Streit nicht auslöscht.

Flagge im wind, protest im fokus
Als die russische Trikolore im Amphitheater von Verona wieder aufgezogen wurde, pfiff ein Teil der Tribüne. Die Organisatoren hatten Sicherheitskräfte in Zivil positioniert, doch es blieb bei Pfiffen – starker Tobak für eine Zeremonie, die sonst Tränen der Rührung produziert. Die IPC-Führung um Präsident Andrew Parsons sprach brav von „Einheit“, während ukrainische Athleten demonstrativ die Augen abwandten.
Die FIS hatte Russland und Belarus ursprünglich mit Verweis auf den Krieg ausgeschlossen, doch der CAS stufte die Sanktion als „diskriminierend“ ein. Seitdem hetzen sich Juristen und Sportfunktionäre mit Eilanträgen. Die Athleten? Die müssen liefern – und genau das tat Worontschichina.
Für den russischen Delegationschef ist die Medaille Munition im Ringen um weitere Startplätze. „Wir sind zurück, und wir sind konkurrenzfähig“, sagte er nach dem Rennen mit Blick auf die noch ausstehenden fünf Bewerbe der alpinen Skifahrerinnen. Die Konkurrenz wird nicht lachen: In der Super-G, am Dienstag, tritt Worontschichina wieder an.
Die Uhr tickt. Die Spiele laufen nur bis 16. März. Und Russland braucht noch zwei Podestplätze, um die Medaillenbilanz von Sotschi einzustellen. Worontschichina hat den Anfang gemacht – mit 2,47 Sekunden Rückstand, aber mit dem Selbstbewusstsein einer Nation, die endlich wieder Farbe bekennen darf.
