Böller-knall lässt essen-keeper wienand am boden liegen – spielabbruch droht
Der Schreck sitzt tief. Rot-Weiss Essens Torhüter Felix Wienand sackt in der 55. Minute plötzlich im eigenen Strafraum zusammen. Sekunden später ist klar: Ein Böller explodiert direkt neben dem 23-Jährigen. Die Wucht trifft nicht nur sein Gehör – sie trifft die ganze Liga mitten ins Gesicht.
Die Bilder vom Stadion an der Hafenstraße gehen durch den Fernseher und sofort durch die sozialen Netzwerke: Wienand presst sich die Hände auf die Ohren, rollt sich zusammen, seine Mitspieler winken wild zur Seitenlinie. Schiedsrichter Lennart Kernchen reagiert sofort, schickt beide Teams in die Kabine. Die Partie ist unterbrochen, die Stimmung gekippt.
Uwe koschinat brüllt richtung gästeblock – der täter flüchtet
Essens Chefcoach Uwe Koschinat rennt wie von Tarantino inszeniert auf den Gästeblock zu, gestikuliert, brüllt. „Das ist krankhaft!“, schimpft Magenta-Kommentator Philip Konrad ins Mikro. „Da spielen Idioten mit der Gesundheit eines Profis.“ Die Kamera fängt einen Mann in schwarzer Kapuze ein, der sich zwischen den Reihen durchschlängelt – später bestätigt der Verein: Täter identifiziert, aber bereits auf der Flucht.
Wienand bleibt erst einmal liegen, dann kommt die Trage. Er ist ansprechbar, kann aber nicht weiterspielen. Die Notärzte fahren ihn ins Essener Universitätsklinikum. Diagnose: akute Schockwirkung, Hörschäden können nicht ausgeschlossen werden. Für ihn kommt Tino Casali, der sonst nur Pokal-Luft schnupperte.

34 Minuten stillstand – dann geht’s doch weiter
In der Zwischenzeit beraten die Funktionäre. Ein Spielabbruch steht auf dem Papier, die Waldhof-Verantwortlichen stimmen zu. Doch dann doch nicht: Nach exakt 34 Minuten betreten die Essener wieder den Rasen, Koschinat klatscht ins Publikum, die Mannschaften warmen sich erneut auf. Der Drittligaspieltag soll seinen Lauf nehmen – ob das rechtlich haltbar ist, wird die DFL-Sportgerichtsbarkeit klären müssen.
Beim Stand von 1:0 für Essen (Tor Marek Janssen, 31.) geht es also weiter. Die Frage ist nur: Wer will das noch? Die Gäste-Fans skandieren Schmähsongs, die Essener Anhänger pfeifen jeden Waldhof-Pass. Die Atmosphäre ist vergiftet.
Für Wienand wird die Saison wohl vorbei sein. Seine Kollegen sprechen von „Knalltrauma“, dem medizinischen Begriff für akustische Schockverletzungen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, der SV Waldhof kündigt Stadionverbote auf Lebenszeit an. Doch das hilft Wienand gerade wenig. Er liegt im Krankenhaus, die Ohren summen, und die Frage bleibt: Wie viele Böller müssen noch knallen, bis endlich Konsequenzen folgen?
