Bodø/glimt-fans wohnen im schatten der tribüne – ohne ticket, mit terrassen-blick
Wer die Champions League live erleben will, braucht normalerlich Glück, Geduld und viel Geld. In Bodø reicht ein Mietvertrag. Direkt am Zaun des Aspmyra Stadion steht ein Wohnblock, dessen Balkone so nah am Spielfeld sind, dass man die Atemwolken der Spieler sehen kann – und das ohne Eintrittskarte.

Die wohnung, die jeden block überholt
Der norwegische Serienmeister Bodø/Glimt spielt seit zwei Jahren regelmäßig internationale Nächte, doch das eigentliche Highlight ist ein graues Mehrfamilienhaus in Sichtweite der Nordtribüne. Ein Video, das auf Instagram kursiert, zeigt, wie Bewohner in Jogginghose mit Bier in der Hand das Heimspiel gegen FK Astana verfolgen – drei Meter Luftlinie zum Seitenstrich, keine Sicherheitskontrolle, kein Kommerz.
Der Clou: Die Immobilie ist offiziell kein Stadionareal. Sie steht auf privatem Grund, die norwegische Baurechtsverordnung erlaubt Terrassen, die über den Zaun blicken. Wer hier wohnt, kauft kein Ticket mehr. Warum auch? Der Schiri ist nah genug, um seine gelben Karten zu zählen. Der Preis für diese Dauerkarte zum Wohnzimmer: rund 1.200 Euro Kaltmiete im Monat – teurer als in Oslo, aber billiger als ein Logenplatz in der ChampionsLeague.
Der Verein reagiert gelassen. „Wir freuen uns, dass Menschen den Fußball so lieben“, sagt Clubsprecher Jan Erik Nilsen. Intern wird aber bereits über einen Zusatzausbau spekuliert: eine Plane, eine Wand, vielleicht sogar ein Bamboo-Ziegel, um die Sicht zu blockieren. Doch bis dahin feiern die Balkonbesetzer jeden Treffer – und der Nachbar gegenüber filmt alles für TikTok.
Die Konsequenz für Fans ohne Glück im Wohnungslotto: Einheimische vermieten ihre Wohnungen an Spieltagen für 400 Euro pro Nacht über Airbnb. Check-in: 17 Uhr, kick-off: 18.45 Uhr, Check-out: Mitternacht. Bewertung: fünf Sterne, „besser als jedes VIP-Paket“.
Der nächste Gegner kommt im November: Union Berlin. Die deutschen Fans buchen bereits. Die Norweger? Sie schauen vom Sofa – oder eben vom Balkon. Denn in Bodø ist Wohnen das neue Schwenken. Und die Liga? Die prüft, ob das Nachbarschafts-Recht irgendwann gegen das Stadion-Recht verstößt. Bis dahin bleibt die größte Sorge der Hausbewohner eine einzige: ein verirrter Flankenball ins Bierglas. Statistisch passiert das alle 17 Minuten. Die Versicherung zahlt nicht – aber das Foto wird viral.
